Carlos Rasch – Der blaue Planet

Zwei Welten treffen in Carlos Raschs zweitem Roman „Der blaue Planet“ (nach „Asteroidenjäger“) aufeinander. Die außerirdischen Raumfahrer des Schiffs „K u a“ müssen einen Zwischenstop auf ihrer Reise in die Außenbereiche der Milchstraße einlegen – und landen auf dem dritten Planeten einer gelben Sonne: richtig geraten. Sie landen auf der Erde. Sil, Gohati, Tivia und die anderen Heloiden treffen zur Zeit der Sumerer auf dem blauen Planeten ein – und werden prompt in die Verrichtungen der Menschen eingespannt, die sich – welch Wunder – gerade mal die Köppe einhauen wollen.

Für den Außenstehenden kommen jetzt Fragezeichen auf: Was zum Geier ist so besonders an den Ruinen von Baalbek, dass sie mir schon zum zweiten Mal diesen Monat in einem Science-Fiction-Roman der begegnen. Und: hat Alexander Kröger von abgeschrieben, als der 1969 in „Sieben fielen vom Himmel“ die Perspektive wechselt und auf der Erde notlanden lässt.

Mit dem Ringflügler legen die AUßerirdischen große Entfernungen auf der historischen Erde zurück - "Der blaue Planet" - Carlos Rasch - Illustration: Hans Räde
Mit dem Ringflügler legen die AUßerirdischen große Entfernungen auf der historischen Erde zurück – „Der blaue Planet“ – Carlos Rasch – Illustration:

Auf der Erde treffen sie auf den königlichen Boten Ia-du-lin, der im Kopf schnell schaltet und sich mit Hilfe der „Himmelssöhne“ einen Vorteil in seiner beruflichen Karriere zu verschaffen erhofft.

Bei einem Parforceritt durch die Gesellschaft des Zweistromlandes, seinen kriegerischen Auseinandersetzungen und der Götterwelt entdecken die Außerirdischen viele Probleme, die ihre eigene Gesellschaft seit Jahrtausenden überwunden hat.

Und dann gibt es plötzlich einen Bruch. Azul, einer der „Himmelssöhne“, will das Kollektiv der „Sternenwanderer“ verlassen. Ja, richtig gelesen. Ein Individuum der hypersozialistischen Raumfahrergesellschaft versucht, abzuhauen – bei Nacht. Weil er auf dem festen Planeten bleiben will, nicht mehr ins All zurück. Der Entschluss steht fest: Azul setzt sich von der Truppe ab und will verschollen bleiben, bis die Genossen Raumfahrer auf Nimmerwiedersehen im Kosmos verschwunden sind. Er taucht regelrecht in einem Grabhügelfeld unter – und wird dort von der Realität eingeholt. Die Menschengesellschaft sperrt einer einer Beerdigung lebende, vergiftete Sklaven mit in die Grabkammer eines Adligen.

Ob der Außerirdische das mit seinem Gewissen vereinbaren kann? Gelingt die Flucht?

Neben der eigentlichen Geschichte des Romans versteht Carlos Rasch es auch, Lösungen anzubieten für historische Rätsel, die bis heute Leute vom Schlage eines Erich von Däniken umtreiben.

So gibt es eine simple Erklärung für die monumentalen Monolithen, die heute noch in den Steinbrüchen der Bekaa-Ebene bei Baalbek zu finden sind, ebenso wie für die Entstehung von Wüstenglas und ja: sogar für die Sintflut gibt es eine einleuchtende Erklärung.

Bei aller Fantasie, die Rasch an den Tag legt, um dieses Buch so spannend wie möglich zu machen, bleibt er aber dennoch eng an den theoretischen Grundlagen der . So sind nicht Bahnparameter von Raumfahrzeugen korrekt dargestellt und erläutert, auch die technischen Voraussetzungen für eine interstellare Navigation mit Hilfe von Kreisel-Technik wird richtig vorhergesagt – und allerhand andere Technik an Bord der „K u a“ glänzt vor allem durch ihre exotischen Namen. Baff war ich, dass der 1963 erschienene Roman sehr intensiv auf die Problematik der Zeit-Dilatation bei hyperschnellen Reisen eingeht.

Über das Buch „Der blaue Planet“

"Der blaue Planet" - Carlos Rasch - Buchcover - Illustration: Hans Räde
„Der blaue Planet“ – Carlos Rasch – Buchcover – Illustration: Hans Räde

Der Roman „Der blaue Planet“ ist 1963 in der Gelben Reihe des Verlags Neues Leben Berlin erschienen. Die Illustrationen stammen wieder aus der Feder von Hans Räde. Im Literaturschock-Forum ist der Roman besprochen worden.

Wer sich für die Problematik der Terrassen von näher interessiert, wird sicher auch bei Günther Krupkat fündig. In „Als die Götter starben“ konstruiert er im gleichen Jahr wie Rasch eine Landung von Außerirdischen in der Bekaa-Ebene. Auch Krupkats Roman „Nabou“ spielt rund um die Tempelruinen von Baalbek.

Über den Autor

Carlos Rasch wurde am 6.April 1932 im brasilianischen Curitiba als Sohn deutscher Eltern geboren. Diese zogen, als Carlos sechs Jahre alt war, zurück nach – wo der Junge bis 1944 in Elbing (dem heutigen Elblag in Polen) aufwuchs.

Nach Stationen in Calbe (Saale) und Köthen ging Rasch 1963 nach Falkensee. Seit dem Jahrtausendwechsel lebt er in Brieselang.

Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Dreher, ab 1951 dann beim Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst ADN. Er beginnt neben der journalistischen Tätigkeit mit dem Schreiben von phantastischer Literatur, ab 1965 freischaffend.

Carlos Rasch war neben zahlreichen Veröffentlichungen auch an der Planung für die 13-teilige Weltraumserie „Raumlotsen“ des DDR-Fernsehens beteiligt, die aber nie produziert wurde. Er fällt in politische Ungnade, die bis in die 1980er Jahre anhält. Nach der politischen Wende in der DDR veröffentlichte er Skripte von „Raumlotsen“ als eigenständige Bücher. Außerdem arbeitete er im Havelland als Lokaljournalist für die Märkische Allgemeine Zeitung, bis er 1997 in Rente geht.

Ein Bild von Carlos Rasch kann man sich hier machen.

Mehr Informationen zum Autor und seinen weiteren Büchern, die nach der Wende in der Edition Digital wiederbelebt wurden, gibt es hier: http://edition-digital.de/blog/rasch/

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