Motorradtour mit Bücherzelle

Was kann es schöneres geben, als ein Hobby mit dem anderen zu verknüpfen – und dabei auch noch seine besten Freunde zu besuchen. Ich habe das am Wochenende mal getan – und die Motorradtour so geplant, dass ich an sieben (!) öffentlichen Bücherzellen, also Tauschregalen mit bunter Literaturauswahl (wie ich sie hier in der Gegend zum Beispiel in Wörlitz oder Zschornewitz kenne) zum Mitnehmen, Dalassen und Tauschen, vorbeikomme.

Elbebrücke bei Tangermünde, Foto: Alexander Baumbach
href=“http://alexander-baumbach.de/wp-content/uploads/2018/06/Motorradtour-8.jpg“> Elbebrücke bei Tangermünde, Foto: Alexander Baumbach[/
Natürlich begibt man sich als anständiger Büchertauscher nicht auf eine solche Tour, ohne genügend Tauschobjekte einzupacken. Die Satteltaschen meiner kleinen Varadero hatte ich jedenfalls mit 35 Bänden aus meiner Wäschekiste doppelter und übriger Bücher bestückt – darunter einige DDR-Science-Fiction-Klassiker, die ich mal in einer Kiste auf dem Flohmarkt mitgekauft hatte. Continue reading „Motorradtour mit Bücherzelle“

Alexander Gerst, Start ins All und Youtube

Blick von der ISS zur Erde.
Blick von der ISS zur Erde. skeeze / Pixabay

Alexander Gerst, der ESA-Astronaut, überwindet heute die Große Grenzen und fliegt zum zweiten Mal ins Weltall. Der Vulkanologe wird mit seinen Crew-Kameraden von der gleichen Rampe wie 1961 Juri Gagarin in Baikonur abheben und wenige Stunden später an der ISS andocken.

Interessant finde ich, welche witzigen Rituale Gerst dabei durchlaufen muss. Eines davon ist, dass beim Verlassen des Hotel Cosmonaut in Baikonur seit den alten Sowjetzeiten dieses Lied hier gespielt wird:

Der vollständige Text, rudimentär übersetzt, könnte folgendermaßen lauten (Quelle: https://lyricstranslate.com/de/trava-u-doma-trava-u-doma-rasen-am-haus.html#ixzz5Hdbrm8NE)

Rasen am Elternhaus

Im Fenster taucht die Erde auf,
Im Fenster taucht die Erde auf,
Im Raumschiff-Fenster taucht die Erde auf …
So wie dem Sohn die Mutter fehlt,
So wie dem Sohn die Mutter fehlt,
So fehlt uns unsre Erde hier im All.

Auch wenn wir Sternen näher sind,
Auch wenn wir Sternen näher sind,
Sie bleiben trotzdem kalt und distanziert.
Und wie bei Sonnenfinsternis,
Und wie bei Sonnenfinsternis,
Geduldig warten wir auf warmes Licht.

Wir träumen nicht vom Lärm des Raumfahrthafens,
Und nicht von diesem eisigkalten Blau.
Wir träumen nur vom grünen, grünen Rasen,
Vom grünen Rasen vor dem Elternhaus.

Wir sind auf orbitalem Kurs,
Hier fliegt jetzt keiner außer uns,
Meteoriten säumen unsren Weg.
Verstand und Mut sind angebracht,
Und kosmischer Orchesterklang
Begleitet unser sachliches Gespräch.

In einem neblig-matten Dunst,
Verschwindet Erde unter uns,
In Morgen- oder Abendrot getaucht.
Und wie dem Sohn die Mutter fehlt,
Und wie dem Sohn die Mutter fehlt,
So fehlen Müttern Ihre Söhne auch.

Wir träumen nicht vom Lärm des Raumfahrthafens,
Und nicht von diesem eisigkalten Blau,
Wir träumen nur vom grünen, grünen Rasen,
Vom grünen Rasen vor dem Elternhaus.

Und am Vorabend des Start gucken die Kosmonauten diesen Film hier:

Den Start im Livestream gibt es hier ab 12 Uhr beim DLR zu sehen:

Mach’s gut, Alexander Gerst! Ich freue mich auf Deine Beiträge und Fotos aus dem All! Man kann ihm auf Facebook und Instagram folgen.

Robert A. Heinlein – Pioniere im Weltall

Mit Pioniere im Weltall von Robert A. Heinlein habe ich sehr tief ins Regal amerikanischer Science-Fiction-Klassiker gegriffen. Das Büchlein, dass den Untertitel „Siedler auf Jupiter G4“ trägt, heißt ursprünglich Farmer in the sky – und das ist es auch: ein Wild-West-Siedlungsroman, der halt nicht in Kentucky spielt, sondern auf dem Jupitermond Ganymed.

Die Story um den jungen William J. Lermer und seinen Vater, die von einer absolut überbevölkerten Erde vor dürftigen Lebensmittelrationen fliehen, kommt dabei mit einer klaren Linie aus: die Familie, die sich plötzlich vergrößert (George, der Vater heiratet kurzfristig eine Frau mit zwölfjähriger Tochter), wird mit einem Interplanetaren Raumschiff zum Ganymed gebracht. (Ganz in der astronomischen Nähe spielte übrigens schon Zeit der Sternschnuppen von Herbert Ziergiebel)

Dort wird neben einem halbwegs passablen Terraforming auch Landwirtschaft eingeführt – und ganz nebenbei auch die Pfadfinderei. Als ein seltenes astronomisches Ereignis die Ganymed-Kruste zum Beben bringt, kommt es zur Katastrophe. Die Tochter, die sich eh nie akklimatisieren konnte, stirbt (ganz nebenbei) – und die tapferen Siedler geben sich große Mühe, autark zu werden, damit die Kolonie überlebt, wenn auf der Erde der unausweichliche Bevölkerungs-Reduzierungs-Krieg ausbricht.

Neben sehr viel Optimismus in Sachen technischer Umsetzbarkeit seiner Ideen bleibt Heinlein ein Kind seiner Zeit: klassische Rollenverteilung in der Familie, keinerlei Vision für die Gesellschaft an sich. Einzig Kapitän Hattie sticht etwas heraus: eine Frau, die (sehr ruppig) die Raumfähre zwischen interplanetarem Transportschiff und Ganymed fliegt. Auch sie bleibt aber als Charakter sehr unterentwickelt zurück.

Die Erwähnung der Pfadfinderei geht übrigens darauf zurück, dass das Buch ursprünglich als Fortsetzungsroman für die Pfadfinder-Zeitschrift Boy’s Life konzipiert war.

Fazit

Irgendwo zwischen Jugendbuch und erwachsener Science Fiction angesiedelt glänzt Heinlein durch einen sehr lesbaren Schreibstil – obwohl die Story aus heutiger Sicht teilweise sehr dünn ist.

Über das Buch Pioniere im Weltall

Pioniere im Weltall - Robert A. Heinlein - Buchcover - Illustration: Bernhard Borchert
Pioniere im Weltall – Robert A. Heinlein – Buchcover – Illustration: Bernhard Borchert

Ursprünglich ist Pioniere im Weltall im Jahr 1950 als Farmer In The Sky bei Charles Scribner’s Sons erschienen. Ich hatte das Vergnügen, im Hardcover der Gebrüder Weiss Berlin zu schmökern, mit einem Einbandentwurf von Bernhard Borchert erschienen ist.

Auf 263 Seiten darf sich Heinlein bei den Berliner Brüdern austoben.

Über den Autor Robert A. Heinlein

Robert Anson Heinlein wurde am 7. Juli 1907 in Butler, Missouri, USA geboren. Zwischen den Weltkriegen ging Heinlein an die Marineakademie in Annapolis und diente auf verschiedenen Schiffen der US Navy, bevor er 1934 wegen Tuberkulose seinen Dienst beenden musste. Er wird zusammen mit Isaac Asimov und Arthur C. Clarke zu den großen Drei der klassischen amerikanischen Science Fiction gezählt. Heinlein starb am 9. Mai 1988 in Carmel-by-the-Sea in Kalifornien, USA. Er war zwei Mal verheiratet und hinterließ keine Kinder.

Wolfgang Jeschke – Planetoidenfänger

Das Büchlein Planetoidenfänger von Herausgeber Wolfgang Jeschke sammelt drei amerikanische Science-Fiction-Texte aus den 1960er Jahren.

Jonathan Blake MacKenzie – Planetoidenfänger (Anchorite)

„Die Story von den Menschen, die im Asteroidengürtel leben und arbeiten“ verspricht der Klappentext – und ist doch wesentlich mehr. Im Gürtel (also hinter dem Mars) hat sich eine menschliche Kolonie gebildet, die mit Hilfe von Anker-Expeditionen Meteoriten einfangen. Die eisenhaltigen werden zu Rohstoffen aufbereitet, mit Hilfe der Gesteinsbrocken wird gebundener Sauerstoff für die Kolonie-Raumstationen freigesetzt. Und die Gesellschaft der Kolonisten hat sich von der gesellschaftlichen Norm der Erde fortentwickelt: während auf der Erde die Gemeinschaft, der unerschütterliche Glaube an Wohlfahrt und die Macht der Vereinten Nationen im Vordergrund stehen, müssen sich Individuen im Asteroidengürtel dadurch beweisen, dass sie eine zeitlang den gefährlichen Beruf des Ankerers erlernen und ausüben. Nur so kann man sich in der Gesellschaft Achtung erwerben. Eine Untersuchungskommission von der Erde, die die Hohe Todesquote in der Ausbildung zum Ankerer untersuchen soll, stößt auf diese Diskrepanz. Und es bleibt spannend, zu lesen, wie beide Gesellschaften damit umgehen wollen.

Fazit

Interessante Fragestellung, textlich nett verpackt. Ich würde den Prozess gern weiter verfolgen.

Über den Autor Jonathan Blake MacKenzie

Jonathan Blake MacKenzie hatte nicht nur eine äußerst üppige Schaffenskraft beim Schreiben, sondern auch beim Ausdenken seiner Pseudonyme (Wikipedia zählt allein neun Namen auf, unter denen er veröffentlichte). Der Mann, der im richtigen Leben Randall Garrett hieß, wurde am 16. Dezember 1972 in Lexington, Missouri geboren und starb am Silvestertag 1987 in Waco, Texas.

Nach einem naturwissenschaftlichen Studium und einer kurzen Zeit im Marine Corps ging Garrett Anfang der 1950er Jahre nach New York, wurde freier Autor und war einige Jahre lang Hauptschreiber des Astounding Magazin.

Während einer langen Krankheit schuf seine zweite Frau Vicki Ann Heydron mehreren Fantasy-Romane aus der Gandalara-Reihe, die sie zusammen mit ihm konzipiert hatte, nach Exposés ihres schwer pflegebedürftigen Mannes.

Dean McLaughlin – Ein Falke unter Spatzen (Hawk among the sparrows)

Gottseidank mal eine Zeitreise-Geschichte, die ohne Paradoxon-Labyrinth auskommt. Auch wenn die Geschichte ein wenig nach dem Kinoklassiker „Der letzte Countdown/The Final Countdown“ mit Kirk Douglas klingt, wird hier nicht ein Flugzeugträger aus den 1970ern in den Zweiten Weltkrieg geschleudert, sondern ein Mach-4-Jäger beim einer Nuklearexplosion in die Endzeit des Ersten Weltkriegs.

Der amerikanische Pilot, der in Frankreich notlandet und bei einer fanzösischen Fliegerstaffel einen Landsmann trifft, will in den Verlauf des Krieges eingreifen und das deutsche Flieger-As Bruno Keyserling ausschalten. Nachdem er zehntausende Liter Küchen-Petroleum gefiltert hat, um seine Maschine aufzutanken, stellt er fest, dass die Draht-und-Stoff-Flieger für seine Waffentechnik und Sensorik unsichtbar sind. Mit buchstäblich äußerster Kraft (und Geschwindigkeit => Schockwelle) stanzt er dann die Deutschen am Ende doch aus dem Himmel.

Fazit

Nette Idee, aber ziemlich stümperhaft umgesetzt. Die Story hätte wesentlich mehr Potential. Und dass ein Jet-Pilot der US Air Force (oder CIA) das Prinzip eines Kolbentriebwerks in einem Flugzeug nicht (mehr) kennt, erscheint mir reichlich lächerlich.

Über den Autor Dean McLaughlin

Dean Benjamin McLaughlin (Junior, soviel Zeit muss sein) wurde 1931 als Sohn des Astronomen Dean B. McLaughlin geboren. Seine Novelle „Hawk among the Sparrows“ war für den Hugo-Award und den Nebula-Award nominiert.

Mack Reynolds – Geschäft ist Geschäft (Subversive)

Krass hellsichtig für eine Geschichte, die zuerst 1962 erschienen ist: eine Firma, die Befreier GmbH, kommt auf den amerikanischen Markt, die verspricht, Dinge des täglichen Bedarfs – etwa Seife – zu einem vergleichsweise spottbilligen Preis im Direktvertrieb an den Kunden zu bringen. Durch die Umgehung von Zwischenhändlern, Werbeabteilungen, Verpackungsdienstleistern etc. wird die enorme Preisdifferenz erzielt.

Für diese Geschäftspraktik beginnt sich zügig ein „Amt für Ökonomische Subversion“ zu interessieren – und schickt einen Schlägertrupp los, um die Befreier GmbH unter die Lupe zu nehmen. Damit soll das amerikanische Wirtschaftssystem, das auf dem Weg von der Produktions- zur Dienstleistungsgesllschaft ist, vor dem vermeintlichen Schädling geschützt werden. Und in der letzten Sekunden fallen die Hüllen: die Befreier GmbH ist ein echtes, amerikanisches Unternehmen, dass versucht, die Entwicklung zu „weitgehender Arbeitslosigkeit geschulter Arbeitnehmer, geplanten Verschleiß, gewerkschaftlichen Zwang, völlig überflüssige Leute einzustellen, und die Verschwendung der Arbeitskraft der überwältigenden Mehrheit der Arbeitnehmer an völlig unproduktive Beschäftigungen“ umzukehren. Und das Amt? Das untersteht Moskau. Und soll genau diese Auswüchse pflegen.

Fazit

Pfiffig. Und hellsichtig für eine Zeit, in der in Amerika tatsächlich noch Sachen hergestellt wurde – und nicht erfunden, um dann in China produziert zu werden.

Über den Autor Mack Reynolds

Dallas McCord „Mack“ Reynolds wurde am 11. November 1917 in Corcoran, Kalifornien geboren und starb am 30. Januar 1983 in San Luis Potosi, Mexiko).

Nach einer Zeit als Redakteur bei einer Lokalzeitung (Ups. Sympathischer Mann) war er bei IBM angestellt, fuhr für das Herrenmagazin Rogue durch Europa und Afrika und fuhr während des Zweiten Weltkriegs auf Handelsschiffen zur See.

In vielen seiner Geschichten beschäftigt er sich mit Gesellschaftsphilosophien.

Über den Herausgeber Wolfgang Jeschke

Wolfgang Jeschke wurde am 19. November 1936 im tschechischen Tetschen geboren und starb am 10. Juni 2015 in München. Neben seiner eigenen schriftstellerischen Arbeit ist er vor allem als Herausgeber von über 100 Science-Fiction-Anthologien nicht aus dem (west-)deutschen Science-Fiction-Kosmos wegzudenken.

Nach Werkzeugmacherlehre, nachgemachtem Abitur, Germanistik-, Anglistik- und Philosophie-Studium an der LMU in München folgte ein Buchhändlerpraktikum und eine Anstellung bei „Kindlers Literatur Lexikon“.

Dann kreuzten sich 1970 die Wege von Jeschke und Herbert W. Franke – woraus „Science Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag entstand. Am Jahresende 1972 ging er dann mit Franke zum Heyne-Verlag. Er gilt als prägender Kopf der deutschsprachigen Science-Fiction-Szene.

Über das Buch „Planetoidenfänger“

Planetoidenfänger - Wolfgang Jeschke (Herausgeber) - Buchcover - Illustration: C.A.M. Thole für Atelier Heinrichs, München
Planetoidenfänger – Wolfgang Jeschke (Herausgeber) – Buchcover – Illustration: C.A.M. Thole für Atelier Heinrichs, München

Mit der ISBN 3-453-30241-9 erschien Planetoidenfänger als Heyne-Buch Nr. 3364 im Jahr 1973 im Wilhelm-Heyne-Verlag München auf 142 Seiten. Die Originalerzählungen erschienen in ANALOG Science Fiction/Science Fact im Verlag The Condé Nast Publications, New York – ehemals ASTOUNDING, amerikanisches SF-Magazin, dass fast vier Jahrzehnte von John W. Campbell geleitet wurde. Die Übersetzungen im Büchlein stammen von Elke Kamper, Redaktion und Lektorat übernahm Günter M. Schelwokat. Den Umschlag gestaltete das Atelier Heinrichs mit einer Zeichnung von C.A.M. Thole. Der Verkaufspreis betrug DM 2.80. Das waren noch Zeiten! 😉