Befehl aus dem Jenseits – Thomas R. P. Mielke

„Befehl aus dem Jenseits“ – was wie ein Grusel-Groschenroman aus den 1950er Jahren klingt, ist eigentlich eine kurzweilig zu lesende Geschichte über extraterrestrische Intelligenz. Vier Erzählebenen treffen in dieser kurzen Geschichte von zusammen: drei sind irdischer Natur, eine vierte erzählt in der Perspektive eines Außerirdischen.

Die intelligenteste Lebensform der Galaxis, die Nonos, haben zwar den Gipfel ihrer gesellschaftlichen und technischen Entwicklung erreicht – aber zu was für einem Preis! Sie können sich seit tausenden Jahren nicht fortpflanzen und sind somit zum Aussterben verdammt. Fieberhaft haben sie Späher in der Milchstraße ausgesandt, die überlichtschnell bewohnte Planeten aufsuchen und dort Lebewesen einsammeln, um zu überprüfen, ob sie das Erbe der Nonos antreten können – oder von ihnen das Geheimnis des Überlebens zu erforschen.

Hier setzen die drei Erzählebenen von Dr. Roby Dumont, einem Wissenschaflter und Kampfpiloten, Myriam Roos, einer reichen Unternehmerstochter und Darius Assif, dem asketischen Priester, an. Die drei Menschen erhalten kurz vor ihrem 30. Geburtstag eine Nachricht, dass sie sich umgehend auf ihr baldiges Ableben vorbereiten sollen. Und pünktlich 30 Jahre nach der Sekunde ihrer Geburt erwachen die drei Versuchsmenschen auf einer Welt im Experimentier-90-Sonnensystem der Nonos, wo sie auf Herz und Nieren geprüft werden sollen.

Neben der hohen Intelligenz der technischen Entwicklung fern jeder irdischen Vorstellungskraft haben die Nonos eines verlernt: Empathie zu empfinden. Sie sind professionell, streng hierarchisch, optimiert, abgesichert. Aber sie haben verlernt, zu fühlen. Nur der Lebewesen-Sammler LLador-4-Taker ist eine Ausnahme. Bei seinen Entnahme-Aufenthalten auf der Erde hat er sowas wie Emotionen entwickelt. Ja, er hat sich sogar ein „Souvenir“ von seinem Lieblingsplaneten mitgebracht: einen Bowlerhut aus London, der seinen hohen Schädel kaschiert.

Die anfangs gut aufgebaute Geschichte verschenkt viel Potential. Der Friedliche Krieg, die Herrschaft der Konzerne wäre ausbaufähig gewesen. Und auch zwei der schön eingeführten irdischen Figuren werden nicht wirklich weiterentwickelt. Die stets im Kopf kreisende Frage, ob dem Autor irgendwann der Platz ausgegangen sei, lässt sich leicht beantworten: ja. Genau so war es. Der erschien nämlich tatsächlich zuerst als „Groschenheft“, unter dem gleichen Titel im Jahr 1970 veröffentlichte Mielke unter dem Pseudonym Marcus T. Orban das Bändchen schon einmal in der „Zauberkreis“-SF-Reihe des gleichnamigen Verlages.

Weiter ausgeführt wird ein ähnliches Setup (Superrasse im Weltraum trifft auf Menschen und erforscht sie) übrigens in Arthur C. Clarkes Rama-Reihe.

Fazit

Es ist ein Groschenroman. Punkt. Aber einer, den man nicht nach dem Lesen in die Mülltonne werfen muss. Befehl aus dem Jenseits enthält einige interessante Ansätze, unterhält aber nicht viel länger als eine Stunde im Zahnarzt-Wartezimmer.

Über das Buch Befehl aus dem Jenseits

Befehl aus dem Jenseits - Thomas R.P. Mielke - Buchcover - Illustration Atelier Höpfner-Thoma/München  und Tim White
Befehl aus dem Jenseits – Thomas R.P. Mielke – Buchcover – Illustration Atelier Höpfner-Thoma/München und Tim White

Befehl aus dem Jenseits ist 1994 im Franz-Schneekluth-Verlag München erschienen. Auf 183 Seiten bringt Mielke seine Geschichte unter, die die ISBN 3-7951-1358-X trägt. Die Gestaltung des Schutzumschlages des kleinen Hardcover-Büchleins übernahm das Atelier Höpfner-Thoma aus München unter Verwendung einer Illustration von Tim White.

Rücken- und Klappentext

Zwei Männer und eine Frau erhalten den Befehl, Vorsorge für ein unauffälliges Ableben zu treffen. Einen Tag später sind sie tot, entführt von der am höchsten entwickelten Zivilisation im Weltall. Ein klassischer Roman voller und psychologischer Raffinesse. Vom Bestsellerautor Thomas R.P. Mielke, einem Meister der SF.

Rückentext

Betr.: Ihr vorgesehener Tod. Sie werden hiermit aufgefordert, Vorsorge für ein unauffälliges und reibungsloses Ableben zu treffen.
Ein besonders geistreicher Gag! Gereizt wirft Roby Dumont den Brief in den Papierkorb, zusammen mit Prospekten, die für eine zum werben. Die kann er sich nicht leisten; seit dem Großen Friedenskrieg und der globalen Machtergreifung der Konzerne gehört er zum Heer der arbeitslosen Akademiker. Einen gleichlautenden Brief erhalten die schöne Myriam Roos, Tochter einer milliardenschweren Dynastie, und Darius Assif im Kloster der Bettelmönche von Lahore.
Im Neunzig-Sonnen-System der Nonos trifft man letzte Vorbereitungen für die Ankunft der Terraner. Die Nonos, die am höchsten entwickelte Zivilisation des Weltalls, sind vom Aussterben bedroht. Seit Jahrtausenden versuchen sie, würdige Erben zu finden oder zu züchten…

Klappentext

Über den Autor Thomas R. P. Mielke

Thomas R. P. Mielke wurde am 12. März 1940 in Detmold geboren. Bei der Bundeswehr kam er von der Fluglotserei in Hannover zu PsyOps, also dem Psychologischen Kampf. An wessen berufliche Entwicklung muss ich da wohl gerade denken? 😉

Seine Brötchen verdiente Mielke aber vorrangig in der Werbebranche, wo er der Legende nach für die Entwicklung der Überraschungseier mitverantwortlich zeichnete. Schriftstellerisch machte er sich als Mitbegründer der „Terranauten“ einen Namen. Sein Roman „Das Sakriversum“ erhielt 1984 den Kurd-Laßwitz-Preis. Für „Der Tag an dem die Mauer brach“ erhielt Mielke 1986 den Deutschen Science Fiction-Preis. Daneben beschäftigte sich Thomas Mielke schriftstellerisch aber auch mit Historienromanen.

Thomas Rudolf Peter Mielke starb am 31. August 2020 in Bernau bei Berlin.

Sein Sohn Marcus O. Mielke widmete seinem Vater einen Nachruf. Perry-Rhodan-Autor Michael Marcus Thurner führte mit Mielke ein langes Interview. „Die Zukunft“ von Random House ruft Mielke auch nach, genau wie Wilhelm Ruprecht Frieling. Hier auf dem Blog habe ich von Thomas R.P. Mielke folgende rezensiert:

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