Kategorie: Biographie

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…Euer Busch-Pater vom Umpfuli – Gregor Richert

Ein Buch, dass von einem Toten geschrieben wurde – so salopp könnte man „…Euer Busch-Pater vom Umpfuli“ beschreiben. Und tatsächlich: als das Büchlein auf den Markt kam, ja: sogar, als das Büchlein zusammengestellt, lektoriert und herausgegeben wurde, da lebte der Erzähler schon nicht mehr. Gregor Richert wurde 1978 von Rebellen im damaligen Rhodesien erschossen. Cordula Mindak hat Jahre nach Pater Richerts Tod dessen Lebensgeschichte nacherzählen lassen – aus den Briefen, die Richert in die Heimat schrieb.

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Meine Reise ins Überleben – Richard Wiener

Ich bin froh, dass ich Richard Wiener kennenlernen durfte. Bei einem Stadtfest „Luthers Hochzeit“ in Wittenberg hatten wir einen gemeinsamen Fototermin. Er vor der Linse, ich dahinter. Und aus irgendeinem Grund mussten wir noch auf etwas warten. Wir kamen ins Gespräch. Er, der Ehrenbürger der Lutherstadt, als Elfjähriger aus Wittenberg vertrieben, weil er Jude ist. Ich, der Pressefotograf der Lokalzeitung. Am Ende unterhielten sich zwei Wittenberger miteinander. Er mit 90 Jahren, ich Mitte dreißig. Ein kluger, erfahrener, weitgereister Mann. Charismatisch und unkompliziert.

Meine Reise ins Überleben - Richard Wiener - Buchcover
Meine Reise ins Überleben – Richard Wiener – Buchcover

In „Meine Reise ins Überleben – Von Unterdrückung und Vergebung“ schildert Richard Wiener seine Lebensgeschichte. 1927 wurde er in Wittenberg als Sohn jüdischer Eltern geboren, wuchs in der Lutherstraße auf. Als in der Reichspogromnacht ein wütender Mob vor der elterlichen Wohnung auftaucht, endet schlagartig seine Kindheit. Der Vater kommt ins KZ, Richard geht Monate später mit seinem Cousin Manfred auf eine Reise nach England. Dort holen ihn seine Eltern ein, bevor der Weg der Familie weiter in die USA führt. Richard wird 1945 Soldat: einen Tag, nachdem die Hiroshima-Bombe fällt. Über die Jugendjahre, Studium, Ehe und zahlreiche Reisen schließt sich der Kreis von Richard Wieners Lebensstationen, als er 1990 erstmals zurück nach Wittenberg kommt.

Letzte Woche haben wir mir ihm ein Video zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht gemacht, in dem er aus seiner Lebensgeschichte erzählt.

Richard Wiener spricht zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht in Wittenberg.

Fazit

„Meine Reise ins Überleben“ ist ein starkes Buch. Ich habe das Buch innerhalb von 24 Stunden regelrecht verschlungen. Die Schreibe ist flüssig, streckenweise hochpoetisch (wenn man sich vor allem die amerikanischen Ausflüge anschaut). Zum Ende hin wird die Aufzählung der Reisen etwas zäher, um dann aber bei der Rückkehr nach Wittenberg noch einmal sehr emotional zu werden.

Über das Buch „Meine Reise ins Überleben“

Ich habe eine Sonderauflage für die Landeszentrale für politische Bildung im Regal stehen. Unter der ISBN 978-3-942005-45-6 ist das Buch im Drei Kastanien Verlag Wittenberg 2014 in erster Auflage erschienen. Der Verleger Mario Dittrich ist ein guter Freund des Autors geworden. Er hat das Werk aus dem Amerikanischen übersetzt, wo es unter dem Titel „Survivor’s Odyssey, …from oppression to reconciliation“ im Jahr zuvor erschienen war. Zahlreiche Bilder aus der privaten Sammlung des Autors nehmen den Leser mit auf die Lebensreise von Richard Wiener.

Wer sich mehr für die Geschichte der Juden in der Lutherstadt Wittenberg interessiert, sollte sich den Namen Ronny Kabus merken. Er hat zur Thematik geforscht.


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Eugen Ruge – In Zeiten des abnehmenden Lichts

Neu belebt wurde die Reihe „Lebenswege“ in der Evangelischen Akademie – und diese Entscheidung honorierten die Zuhörer. Selbst die eilig herbeigeschafften Stühle reichten kaum. Das dürfte freilich auch am Autor liegen, der vor das Publikum trat: Eugen Ruge ist mit seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ Träger des Deutschen Buchpreises 2011 geworden.

Hochgelobt von der New York Times über Le Monde bis zur FAZ wird der Schriftsteller mit diesem Montageroman mit autobiographischem Hintergrund gar mit Thomas Mann verglichen. „Das ist natürlich ein überaus ehrenhafter Vergleich und ich wusste auch, dass ich ein gutes Buch geschrieben habe – aber man darf nicht vergessen, dass zwischen den Buddenbrooks und meinem Buch über hundert Jahre Literaturgeschichte liegen“, gibt er sich selbstbewusst, aber bodenständig. (mehr …)


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Renate Finger – Akute Verzweiflung

Renate Finger hat einst zwei Jahre lang um ihre Ausreisegenehmigung aus der DDR gekämpft. Jetzt – mit über 20 Jahren Abstand – bringt sie ein Buch heraus, dass ihren Lebensabschnitt von Januar 1987 bis zum April 1989 beschreibt. „Akute Verzweiflung“ heißt die Chronologie einer Ausreise, die nun in der Edition Freiberg erschienen ist.

Die heutige Rentnerin wollte ihre ostdeutsche Heimat nicht aus wirtschaftlichen Gründen verlassen, sondern ihre Mutter pflegen, die im Westen alleine lebte. „Ich wusste, dass mir drüben nicht die gebratenen Tauben in den Mund flogen“, beschreibt sie das Fazit eines Besuchs in den frühen 80er Jahren. (mehr …)