Monat: Januar 2012

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Ronny Kabus – Juden der Lutherstadt Wittenberg im III. Reich

Es muss ein kalter Juni im Jahr 1935 gewesen sein. Der Wetterbericht im „Wittenberger Tageblatt“ schreibt von „über dem Reich liegenden polaren Luftmassen“. In der Lokalzeitung wird zudem ein neuer Oberbürgermeister im Amt begrüßt – Dr. Dr. Otto Rasch: gebürtiger Ostpreuße, Verwaltungsfachmann, Jurist, verhinderter Marine-Offizier.

Und Jahre später einer der größten Massenmörder des Zweiten Weltkrieges. Sein Amtsvorgänger, Regierungsassessor Dengler, wird mit einem gemütlichen Abend im Freitagsklubzimmer von „Balzers Festsälen“ verabschiedet. Ein Karrieremensch Rasch will „mit heißem Herzen an die ihm hier zufallenden Aufgaben herangehen“. Der am 7. Dezember 1891 in Friedrichsruh (heute Teil der russischen Exklave Kaliningrad) geborene Politikwissenschaftler und Jurist ist ein Karrieremensch. Vor dem ersten Weltkrieg hatte er sich in die Grundlagen der Verwaltung eingearbeitet, arbeitete dann als Privatsekretär bei einem Grafen. (mehr …)