Marsmenschen – Anthologie von Klaus Walther

Wie ein kleines „Who is who“ der internationalen Science Fiction liest sich das Inhaltsverzeichnis von Marsmenschen: Stanislaw Lem, die Gebrüder Strugazki, Ray Bradbury und Kobo Abe tauchen darin auf. Insgesamt 14 Texte vereinigt Klaus Walther in dem Buch von 1967, ergänzt von acht Anmerkungen, biographischen Angaben, Quellen und Hinweisen.

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Mittag 22. Jahrhundert – Arkadi und Boris Strugazki

Zehn Geschichten, ein Universum. Die Welt von Mittag 22. Jahrhundert, in der die Gebrüder Strugazki ihre Helden auftreten lassen, ist die Welt, wie sich die beiden russischen Brüder eine (kommunistische) Zukunft und den Weg dorthin bis ins 22. Jahrhundert vorstellen. Nein, keine Welt des „real existierenden Sozialismus“ – echter gesellschaftlicher Fortschritt, in dem der Erkenntnisgewinn der Menschheit höchstes Gut geworden ist. Aber ich greife dem Fazit schon vor – deswegen von vorn:

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Wolfgang Jeschke – Planetoidenfänger

Das Büchlein Planetoidenfänger von Herausgeber Wolfgang Jeschke sammelt drei amerikanische Science-Fiction-Texte aus den 1960er Jahren.

Jonathan Blake MacKenzie – Planetoidenfänger (Anchorite)

„Die Story von den Menschen, die im Asteroidengürtel leben und arbeiten“ verspricht der Klappentext – und ist doch wesentlich mehr. Im Gürtel (also hinter dem Mars) hat sich eine menschliche Kolonie gebildet, die mit Hilfe von Anker-Expeditionen Meteoriten einfangen. Die eisenhaltigen werden zu Rohstoffen aufbereitet, mit Hilfe der Gesteinsbrocken wird gebundener Sauerstoff für die Kolonie-Raumstationen freigesetzt. Und die Gesellschaft der Kolonisten hat sich von der gesellschaftlichen Norm der Erde fortentwickelt: während auf der Erde die Gemeinschaft, der unerschütterliche Glaube an Wohlfahrt und die Macht der Vereinten Nationen im Vordergrund stehen, müssen sich Individuen im Asteroidengürtel dadurch beweisen, dass sie eine zeitlang den gefährlichen Beruf des Ankerers erlernen und ausüben. Nur so kann man sich in der Gesellschaft Achtung erwerben. Eine Untersuchungskommission von der Erde, die die Hohe Todesquote in der Ausbildung zum Ankerer untersuchen soll, stößt auf diese Diskrepanz. Und es bleibt spannend, zu lesen, wie beide Gesellschaften damit umgehen wollen.

Fazit

Interessante Fragestellung, textlich nett verpackt. Ich würde den Prozess gern weiter verfolgen.

Über den Autor Jonathan Blake MacKenzie

Jonathan Blake MacKenzie hatte nicht nur eine äußerst üppige Schaffenskraft beim Schreiben, sondern auch beim Ausdenken seiner Pseudonyme (Wikipedia zählt allein neun Namen auf, unter denen er veröffentlichte). Der Mann, der im richtigen Leben Randall Garrett hieß, wurde am 16. Dezember 1972 in Lexington, Missouri geboren und starb am Silvestertag 1987 in Waco, Texas.

Nach einem naturwissenschaftlichen Studium und einer kurzen Zeit im Marine Corps ging Garrett Anfang der 1950er Jahre nach New York, wurde freier Autor und war einige Jahre lang Hauptschreiber des Astounding Magazin.

Während einer langen Krankheit schuf seine zweite Frau Vicki Ann Heydron mehreren Fantasy-Romane aus der Gandalara-Reihe, die sie zusammen mit ihm konzipiert hatte, nach Exposés ihres schwer pflegebedürftigen Mannes.

Dean McLaughlin – Ein Falke unter Spatzen (Hawk among the sparrows)

Gottseidank mal eine Zeitreise-Geschichte, die ohne Paradoxon-Labyrinth auskommt. Auch wenn die Geschichte ein wenig nach dem Kinoklassiker „Der letzte Countdown/The Final Countdown“ mit Kirk Douglas klingt, wird hier nicht ein Flugzeugträger aus den 1970ern in den Zweiten Weltkrieg geschleudert, sondern ein Mach-4-Jäger beim einer Nuklearexplosion in die Endzeit des Ersten Weltkriegs.

Der amerikanische Pilot, der in Frankreich notlandet und bei einer fanzösischen Fliegerstaffel einen Landsmann trifft, will in den Verlauf des Krieges eingreifen und das deutsche Flieger-As Bruno Keyserling ausschalten. Nachdem er zehntausende Liter Küchen-Petroleum gefiltert hat, um seine Maschine aufzutanken, stellt er fest, dass die Draht-und-Stoff-Flieger für seine Waffentechnik und Sensorik unsichtbar sind. Mit buchstäblich äußerster Kraft (und Geschwindigkeit => Schockwelle) stanzt er dann die Deutschen am Ende doch aus dem Himmel.

Fazit

Nette Idee, aber ziemlich stümperhaft umgesetzt. Die Story hätte wesentlich mehr Potential. Und dass ein Jet-Pilot der US Air Force (oder CIA) das Prinzip eines Kolbentriebwerks in einem Flugzeug nicht (mehr) kennt, erscheint mir reichlich lächerlich.

Über den Autor Dean McLaughlin

Dean Benjamin McLaughlin (Junior, soviel Zeit muss sein) wurde 1931 als Sohn des Astronomen Dean B. McLaughlin geboren. Seine Novelle „Hawk among the Sparrows“ war für den Hugo-Award und den Nebula-Award nominiert.

Mack Reynolds – Geschäft ist Geschäft (Subversive)

Krass hellsichtig für eine Geschichte, die zuerst 1962 erschienen ist: eine Firma, die Befreier GmbH, kommt auf den amerikanischen Markt, die verspricht, Dinge des täglichen Bedarfs – etwa Seife – zu einem vergleichsweise spottbilligen Preis im Direktvertrieb an den Kunden zu bringen. Durch die Umgehung von Zwischenhändlern, Werbeabteilungen, Verpackungsdienstleistern etc. wird die enorme Preisdifferenz erzielt.

Für diese Geschäftspraktik beginnt sich zügig ein „Amt für Ökonomische Subversion“ zu interessieren – und schickt einen Schlägertrupp los, um die Befreier GmbH unter die Lupe zu nehmen. Damit soll das amerikanische Wirtschaftssystem, das auf dem Weg von der Produktions- zur Dienstleistungsgesllschaft ist, vor dem vermeintlichen Schädling geschützt werden. Und in der letzten Sekunden fallen die Hüllen: die Befreier GmbH ist ein echtes, amerikanisches Unternehmen, dass versucht, die Entwicklung zu „weitgehender Arbeitslosigkeit geschulter Arbeitnehmer, geplanten Verschleiß, gewerkschaftlichen Zwang, völlig überflüssige Leute einzustellen, und die Verschwendung der Arbeitskraft der überwältigenden Mehrheit der Arbeitnehmer an völlig unproduktive Beschäftigungen“ umzukehren. Und das Amt? Das untersteht Moskau. Und soll genau diese Auswüchse pflegen.

Fazit

Pfiffig. Und hellsichtig für eine Zeit, in der in Amerika tatsächlich noch Sachen hergestellt wurde – und nicht erfunden, um dann in China produziert zu werden.

Über den Autor Mack Reynolds

Dallas McCord „Mack“ Reynolds wurde am 11. November 1917 in Corcoran, Kalifornien geboren und starb am 30. Januar 1983 in San Luis Potosi, Mexiko).

Nach einer Zeit als Redakteur bei einer Lokalzeitung (Ups. Sympathischer Mann) war er bei IBM angestellt, fuhr für das Herrenmagazin Rogue durch Europa und Afrika und fuhr während des Zweiten Weltkriegs auf Handelsschiffen zur See.

In vielen seiner Geschichten beschäftigt er sich mit Gesellschaftsphilosophien.

Über den Herausgeber Wolfgang Jeschke

Wolfgang Jeschke wurde am 19. November 1936 im tschechischen Tetschen geboren und starb am 10. Juni 2015 in München. Neben seiner eigenen schriftstellerischen Arbeit ist er vor allem als Herausgeber von über 100 Science-Fiction-Anthologien nicht aus dem (west-)deutschen Science-Fiction-Kosmos wegzudenken.

Nach Werkzeugmacherlehre, nachgemachtem Abitur, Germanistik-, Anglistik- und Philosophie-Studium an der LMU in München folgte ein Buchhändlerpraktikum und eine Anstellung bei „Kindlers Literatur Lexikon“.

Dann kreuzten sich 1970 die Wege von Jeschke und Herbert W. Franke – woraus „Science Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag entstand. Am Jahresende 1972 ging er dann mit Franke zum Heyne-Verlag. Er gilt als prägender Kopf der deutschsprachigen Science-Fiction-Szene.

Über das Buch „Planetoidenfänger“

Planetoidenfänger - Wolfgang Jeschke (Herausgeber) - Buchcover - Illustration: C.A.M. Thole für Atelier Heinrichs, München
Planetoidenfänger – Wolfgang Jeschke (Herausgeber) – Buchcover – Illustration: C.A.M. Thole für Atelier Heinrichs, München

Mit der ISBN 3-453-30241-9 erschien Planetoidenfänger als Heyne-Buch Nr. 3364 im Jahr 1973 im Wilhelm-Heyne-Verlag München auf 142 Seiten. Die Originalerzählungen erschienen in ANALOG Science Fiction/Science Fact im Verlag The Condé Nast Publications, New York – ehemals ASTOUNDING, amerikanisches SF-Magazin, dass fast vier Jahrzehnte von John W. Campbell geleitet wurde. Die Übersetzungen im Büchlein stammen von Elke Kamper, Redaktion und Lektorat übernahm Günter M. Schelwokat. Den Umschlag gestaltete das Atelier Heinrichs mit einer Zeichnung von C.A.M. Thole. Der Verkaufspreis betrug DM 2.80. Das waren noch Zeiten! 😉

Karsten Kruschel – Vilm – Die Eingeborenen – Teil 2

Was sich im ersten Teil der Vilm-Trilogie noch als regennasse, monotone und pessimistische Kolonisierung eines fremden, lebensfeindlichen Planeten anlässt, wird im zweiten Teil Die Eingeborenen zügig turbulent – und ordnet die Geschehnisse um den Absturz des Weltenkreuzer Vilm van der Oosterbrijk in den interstellaren Kosmos ein. Was Karsten Kruschel so unheimlich detailverliebt in Handlung, Umwelt und Figuren im ersten Band beginnt, lässt auch im zweiten Teil nicht nach. Continue reading „Karsten Kruschel – Vilm – Die Eingeborenen – Teil 2“

Karsten Kruschel – Vilm – Der Regenplanet – Teil 1

Um es gleich vorwegzuschicken: ich bin nicht unparteiisch in dieser Rezension. Ich habe mich jetzt wochenlang auf die Bücher gefreut, die nun unter dem Weihnachtsbaum lagen. Aber: ich habe keinen Anlass anzunehmen, dass ich anders über die VILM-Trilogie denken würde, wenn ich durch Zufall auf sie gestoßen wäre. Continue reading „Karsten Kruschel – Vilm – Der Regenplanet – Teil 1“

Swetoslaw Slawtschew – Astronavigator Färn

Vier Geschichten lang begleiten wir den Astronavigator Zweiter Klasse Ejlus Färn bei seinen Reisen und Abenteuern auf der Route Wega-Orion. Die Stücke hängen zeitlich und inhaltlich nur locker miteinander zusammen. Ähnlich wie in Star Trek fällt der Protagonist von Folge zu Folge in aberwitzige Situationen und muss große Prüfungen bestehen. Continue reading „Swetoslaw Slawtschew – Astronavigator Färn“

Karsten Kruschel – Das kleinere Weltall

In Karsten Kruschels Das kleinere Weltall versammelt der Historiker und Germanist sechs Kurzgeschichten, die alle im gleichen Universum spielen. In den letzten Tagen der alten DDR kam das handliche Büchlein heraus. Zwei Vorbemerkungen schickt er voran: Ein Zitat von Marcel Proust – und ein Zitat des geheimnisvollen Vilm van der Oosterbrijk – der uns im Zusammenhang mit Karsten Kruschel noch ein paar mal begegnen wird. Continue reading „Karsten Kruschel – Das kleinere Weltall“

Frank Töppe – Regen auf Tyche

15 Jahre können in der Literatur eine lange Zeit sein. Vom Planeten Meju des Günther Krupkat verschlägt es mich in „Regen auf Tyche“ von Frank Töppe an den gleichen Platz im Weltraum: den Asteroidengürtel des ehemaligen Phaeton. Aber keine Angst – Töppe schreibt so schön kurzweilig, dass der Weg nach Tyche nicht lang wird. Continue reading „Frank Töppe – Regen auf Tyche“

Karl-Heinz Tuschel – Inspektion Raumsicherheit

„Inspektion Raumsicherheit“ des DDR-Fleiß-Schriftstellers Karl-Heinz Tuschel ist kein Roman im klassischen Sinne, sondern eine Sammlung von sechs kurzen Geschichten rund um Jana und Pit (eigentlich ,Jupiter’) Holland. Das Pärchen mit deutlichem Altersunterschied arbeitet in der Inspektion Raumsicherheit – einer Einrichtung zur Untersuchung von Unfällen in der Raumfahrt. Dabei verfolgt der Sammelband eine zeitliche Linie vom Kennenlernen der beiden Kosmonauten bei einem Fährenabsturz auf dem Mond bis zur Zeit nach der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes. Continue reading „Karl-Heinz Tuschel – Inspektion Raumsicherheit“

Autorenkollektiv – Wir sind zum Gespräch geboren

Aus fünf Schulen des Landes waren sie trotz Schnee und Eis am Freitag zusammengekommen, um ihr gemeinsames Buch vorzustellen: „Wir sind zum Gespräch geboren“ ist der Titel der Textsammlung schreibender Schüler zu Philipp Melanchthon. Es handelt sich um die Quintessenz eines Projektes, das darauf zielte, im Melanchthon-Jahr 2010 auch junge Leute für die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum 2017 „aufzuschließen“, wie es Jürgen Jankofsky formulierte.

Er ist einer der beteiligten erwachsenen Autoren und Geschäftsführer des Friedrich-Bödecker-Kreises, der das Vorhaben gemeinsam mit der Wittenberg-Geschäftsstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Stiftung Luthergedenkstätten umgesetzt hat. Laut Jankofsky waren über mehrere Monate insgesamt vier- bis fünfhundert Kinder und Jugendliche beteiligt – von Grundschülern bis Abiturienten. Durch einen Vortrag am Luther-Melanchthon-Gymnasium war beispielsweise Corinna Arndt auf das Vorhaben aufmerksam geworden.

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