Robert A. Heinlein – Pioniere im Weltall

Mit Pioniere im Weltall von Robert A. Heinlein habe ich sehr tief ins Regal amerikanischer Science-Fiction-Klassiker gegriffen. Das Büchlein, dass den Untertitel „Siedler auf Jupiter G4“ trägt, heißt ursprünglich Farmer in the sky – und das ist es auch: ein Wild-West-Siedlungsroman, der halt nicht in Kentucky spielt, sondern auf dem Jupitermond Ganymed.

Die Story um den jungen William J. Lermer und seinen Vater, die von einer absolut überbevölkerten Erde vor dürftigen Lebensmittelrationen fliehen, kommt dabei mit einer klaren Linie aus: die Familie, die sich plötzlich vergrößert (George, der Vater heiratet kurzfristig eine Frau mit zwölfjähriger Tochter), wird mit einem Interplanetaren Raumschiff zum Ganymed gebracht. (Ganz in der astronomischen Nähe spielte übrigens schon Zeit der Sternschnuppen von Herbert Ziergiebel)

Dort wird neben einem halbwegs passablen Terraforming auch Landwirtschaft eingeführt – und ganz nebenbei auch die Pfadfinderei. Als ein seltenes astronomisches Ereignis die Ganymed-Kruste zum Beben bringt, kommt es zur Katastrophe. Die Tochter, die sich eh nie akklimatisieren konnte, stirbt (ganz nebenbei) – und die tapferen Siedler geben sich große Mühe, autark zu werden, damit die Kolonie überlebt, wenn auf der Erde der unausweichliche Bevölkerungs-Reduzierungs-Krieg ausbricht.

Neben sehr viel Optimismus in Sachen technischer Umsetzbarkeit seiner Ideen bleibt Heinlein ein Kind seiner Zeit: klassische Rollenverteilung in der Familie, keinerlei Vision für die Gesellschaft an sich. Einzig Kapitän Hattie sticht etwas heraus: eine Frau, die (sehr ruppig) die Raumfähre zwischen interplanetarem Transportschiff und Ganymed fliegt. Auch sie bleibt aber als Charakter sehr unterentwickelt zurück.

Die Erwähnung der Pfadfinderei geht übrigens darauf zurück, dass das Buch ursprünglich als Fortsetzungsroman für die Pfadfinder-Zeitschrift Boy’s Life konzipiert war.

Fazit

Irgendwo zwischen Jugendbuch und erwachsener Science Fiction angesiedelt glänzt Heinlein durch einen sehr lesbaren Schreibstil – obwohl die Story aus heutiger Sicht teilweise sehr dünn ist.

Über das Buch Pioniere im Weltall

Pioniere im Weltall - Robert A. Heinlein - Buchcover - Illustration: Bernhard Borchert
Pioniere im Weltall – Robert A. Heinlein – Buchcover – Illustration: Bernhard Borchert

Ursprünglich ist Pioniere im Weltall im Jahr 1950 als Farmer In The Sky bei Charles Scribner’s Sons erschienen. Ich hatte das Vergnügen, im Hardcover der Gebrüder Weiss Berlin zu schmökern, mit einem Einbandentwurf von Bernhard Borchert erschienen ist.

Auf 263 Seiten darf sich Heinlein bei den Berliner Brüdern austoben.

Über den Autor Robert A. Heinlein

Robert Anson Heinlein wurde am 7. Juli 1907 in Butler, Missouri, USA geboren. Zwischen den Weltkriegen ging Heinlein an die Marineakademie in Annapolis und diente auf verschiedenen Schiffen der US Navy, bevor er 1934 wegen Tuberkulose seinen Dienst beenden musste. Er wird zusammen mit Isaac Asimov und Arthur C. Clarke zu den großen Drei der klassischen amerikanischen Science Fiction gezählt. Heinlein starb am 9. Mai 1988 in Carmel-by-the-Sea in Kalifornien, USA. Er war zwei Mal verheiratet und hinterließ keine Kinder.

Wolfgang Jeschke – Planetoidenfänger

Das Büchlein Planetoidenfänger von Herausgeber Wolfgang Jeschke sammelt drei amerikanische Science-Fiction-Texte aus den 1960er Jahren.

Jonathan Blake MacKenzie – Planetoidenfänger (Anchorite)

„Die Story von den Menschen, die im Asteroidengürtel leben und arbeiten“ verspricht der Klappentext – und ist doch wesentlich mehr. Im Gürtel (also hinter dem Mars) hat sich eine menschliche Kolonie gebildet, die mit Hilfe von Anker-Expeditionen Meteoriten einfangen. Die eisenhaltigen werden zu Rohstoffen aufbereitet, mit Hilfe der Gesteinsbrocken wird gebundener Sauerstoff für die Kolonie-Raumstationen freigesetzt. Und die Gesellschaft der Kolonisten hat sich von der gesellschaftlichen Norm der Erde fortentwickelt: während auf der Erde die Gemeinschaft, der unerschütterliche Glaube an Wohlfahrt und die Macht der Vereinten Nationen im Vordergrund stehen, müssen sich Individuen im Asteroidengürtel dadurch beweisen, dass sie eine zeitlang den gefährlichen Beruf des Ankerers erlernen und ausüben. Nur so kann man sich in der Gesellschaft Achtung erwerben. Eine Untersuchungskommission von der Erde, die die Hohe Todesquote in der Ausbildung zum Ankerer untersuchen soll, stößt auf diese Diskrepanz. Und es bleibt spannend, zu lesen, wie beide Gesellschaften damit umgehen wollen.

Fazit

Interessante Fragestellung, textlich nett verpackt. Ich würde den Prozess gern weiter verfolgen.

Über den Autor Jonathan Blake MacKenzie

Jonathan Blake MacKenzie hatte nicht nur eine äußerst üppige Schaffenskraft beim Schreiben, sondern auch beim Ausdenken seiner Pseudonyme (Wikipedia zählt allein neun Namen auf, unter denen er veröffentlichte). Der Mann, der im richtigen Leben Randall Garrett hieß, wurde am 16. Dezember 1972 in Lexington, Missouri geboren und starb am Silvestertag 1987 in Waco, Texas.

Nach einem naturwissenschaftlichen Studium und einer kurzen Zeit im Marine Corps ging Garrett Anfang der 1950er Jahre nach New York, wurde freier Autor und war einige Jahre lang Hauptschreiber des Astounding Magazin.

Während einer langen Krankheit schuf seine zweite Frau Vicki Ann Heydron mehreren Fantasy-Romane aus der Gandalara-Reihe, die sie zusammen mit ihm konzipiert hatte, nach Exposés ihres schwer pflegebedürftigen Mannes.

Dean McLaughlin – Ein Falke unter Spatzen (Hawk among the sparrows)

Gottseidank mal eine Zeitreise-Geschichte, die ohne Paradoxon-Labyrinth auskommt. Auch wenn die Geschichte ein wenig nach dem Kinoklassiker „Der letzte Countdown/The Final Countdown“ mit Kirk Douglas klingt, wird hier nicht ein Flugzeugträger aus den 1970ern in den Zweiten Weltkrieg geschleudert, sondern ein Mach-4-Jäger beim einer Nuklearexplosion in die Endzeit des Ersten Weltkriegs.

Der amerikanische Pilot, der in Frankreich notlandet und bei einer fanzösischen Fliegerstaffel einen Landsmann trifft, will in den Verlauf des Krieges eingreifen und das deutsche Flieger-As Bruno Keyserling ausschalten. Nachdem er zehntausende Liter Küchen-Petroleum gefiltert hat, um seine Maschine aufzutanken, stellt er fest, dass die Draht-und-Stoff-Flieger für seine Waffentechnik und Sensorik unsichtbar sind. Mit buchstäblich äußerster Kraft (und Geschwindigkeit => Schockwelle) stanzt er dann die Deutschen am Ende doch aus dem Himmel.

Fazit

Nette Idee, aber ziemlich stümperhaft umgesetzt. Die Story hätte wesentlich mehr Potential. Und dass ein Jet-Pilot der US Air Force (oder CIA) das Prinzip eines Kolbentriebwerks in einem Flugzeug nicht (mehr) kennt, erscheint mir reichlich lächerlich.

Über den Autor Dean McLaughlin

Dean Benjamin McLaughlin (Junior, soviel Zeit muss sein) wurde 1931 als Sohn des Astronomen Dean B. McLaughlin geboren. Seine Novelle „Hawk among the Sparrows“ war für den Hugo-Award und den Nebula-Award nominiert.

Mack Reynolds – Geschäft ist Geschäft (Subversive)

Krass hellsichtig für eine Geschichte, die zuerst 1962 erschienen ist: eine Firma, die Befreier GmbH, kommt auf den amerikanischen Markt, die verspricht, Dinge des täglichen Bedarfs – etwa Seife – zu einem vergleichsweise spottbilligen Preis im Direktvertrieb an den Kunden zu bringen. Durch die Umgehung von Zwischenhändlern, Werbeabteilungen, Verpackungsdienstleistern etc. wird die enorme Preisdifferenz erzielt.

Für diese Geschäftspraktik beginnt sich zügig ein „Amt für Ökonomische Subversion“ zu interessieren – und schickt einen Schlägertrupp los, um die Befreier GmbH unter die Lupe zu nehmen. Damit soll das amerikanische Wirtschaftssystem, das auf dem Weg von der Produktions- zur Dienstleistungsgesllschaft ist, vor dem vermeintlichen Schädling geschützt werden. Und in der letzten Sekunden fallen die Hüllen: die Befreier GmbH ist ein echtes, amerikanisches Unternehmen, dass versucht, die Entwicklung zu „weitgehender Arbeitslosigkeit geschulter Arbeitnehmer, geplanten Verschleiß, gewerkschaftlichen Zwang, völlig überflüssige Leute einzustellen, und die Verschwendung der Arbeitskraft der überwältigenden Mehrheit der Arbeitnehmer an völlig unproduktive Beschäftigungen“ umzukehren. Und das Amt? Das untersteht Moskau. Und soll genau diese Auswüchse pflegen.

Fazit

Pfiffig. Und hellsichtig für eine Zeit, in der in Amerika tatsächlich noch Sachen hergestellt wurde – und nicht erfunden, um dann in China produziert zu werden.

Über den Autor Mack Reynolds

Dallas McCord „Mack“ Reynolds wurde am 11. November 1917 in Corcoran, Kalifornien geboren und starb am 30. Januar 1983 in San Luis Potosi, Mexiko).

Nach einer Zeit als Redakteur bei einer Lokalzeitung (Ups. Sympathischer Mann) war er bei IBM angestellt, fuhr für das Herrenmagazin Rogue durch Europa und Afrika und fuhr während des Zweiten Weltkriegs auf Handelsschiffen zur See.

In vielen seiner Geschichten beschäftigt er sich mit Gesellschaftsphilosophien.

Über den Herausgeber Wolfgang Jeschke

Wolfgang Jeschke wurde am 19. November 1936 im tschechischen Tetschen geboren und starb am 10. Juni 2015 in München. Neben seiner eigenen schriftstellerischen Arbeit ist er vor allem als Herausgeber von über 100 Science-Fiction-Anthologien nicht aus dem (west-)deutschen Science-Fiction-Kosmos wegzudenken.

Nach Werkzeugmacherlehre, nachgemachtem Abitur, Germanistik-, Anglistik- und Philosophie-Studium an der LMU in München folgte ein Buchhändlerpraktikum und eine Anstellung bei „Kindlers Literatur Lexikon“.

Dann kreuzten sich 1970 die Wege von Jeschke und Herbert W. Franke – woraus „Science Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag entstand. Am Jahresende 1972 ging er dann mit Franke zum Heyne-Verlag. Er gilt als prägender Kopf der deutschsprachigen Science-Fiction-Szene.

Über das Buch „Planetoidenfänger“

Planetoidenfänger - Wolfgang Jeschke (Herausgeber) - Buchcover - Illustration: C.A.M. Thole für Atelier Heinrichs, München
Planetoidenfänger – Wolfgang Jeschke (Herausgeber) – Buchcover – Illustration: C.A.M. Thole für Atelier Heinrichs, München

Mit der ISBN 3-453-30241-9 erschien Planetoidenfänger als Heyne-Buch Nr. 3364 im Jahr 1973 im Wilhelm-Heyne-Verlag München auf 142 Seiten. Die Originalerzählungen erschienen in ANALOG Science Fiction/Science Fact im Verlag The Condé Nast Publications, New York – ehemals ASTOUNDING, amerikanisches SF-Magazin, dass fast vier Jahrzehnte von John W. Campbell geleitet wurde. Die Übersetzungen im Büchlein stammen von Elke Kamper, Redaktion und Lektorat übernahm Günter M. Schelwokat. Den Umschlag gestaltete das Atelier Heinrichs mit einer Zeichnung von C.A.M. Thole. Der Verkaufspreis betrug DM 2.80. Das waren noch Zeiten! 😉

Karl-Heinz Tuschel – Ein Stern fliegt vorbei

Es ist und bleibt eine prima Zeit, in der Romane wie „Ein Stern fliegt vorbei“ (oder, wie er manchmal auch hieß: Ein Stern flog vorbei) geschrieben wurde. Die späten Sechziger: Der Weg in den Weltraum ist erkundet. Die Herausforderungen an die Menschheit reihen sich aneinander. Und da kann man als Autor auch mal geschwind ein paar Jahrhunderte überspringen und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Continue reading „Karl-Heinz Tuschel – Ein Stern fliegt vorbei“

Karl-Heinz Tuschel – Leitstrahl für Aldebaran

Fantasiereich und bunt, eine Robinsonade im Weltall – und ein Entwicklungsroman eines jungen Raumfahrer-Quartetts: so könnte man in wenigen Worten Leitstrahl für Aldebaran von Karl-Heinz Tuschel zusammenfassen. Continue reading „Karl-Heinz Tuschel – Leitstrahl für Aldebaran“

Bernhard Kellermann – Der Tunnel

Ein Jahr vor dem Beginn des ersten Weltkrieges, ein Jahr nach dem Untergang der Titanic legt Bernhard Kellermann einen Klassiker vor. Der Tunnel wird im Laufe der nächsten hundert Jahre in Dutzende Sprachen übersetzt, mehrfach verfilmt. Und dennoch ist er auch heute noch eine spannende Lektüre aus der Zeit, als der Menschheit technisch alles möglich schien – wenn nur ein eiserner Wille, Ingenieurskunst und das passende Kapital zusammenkamen. Continue reading „Bernhard Kellermann – Der Tunnel“

Curt Siodmak – Die Stadt im All

Worüber man durch Zufall im Internet doch alles stolpert: Die Stadt im All von Curt (oder Kurt) Siodmak ist jedenfalls ein lesenswerter Ausflug in die nähere Zukunft der Erde und ihrer Raumfahrt – aus der Perspektive der frühen 1970er Jahre. Und sie nimmt einige interessante technische Entwicklungen vorweg. Continue reading „Curt Siodmak – Die Stadt im All“

Becky Chambers – Zwischen Zwei Sternen – Wayfarer II

„It’s all about relations“, könnte man Zwischen Zwei Sternen von Becky Chambers in einem kurzen Satz zusammenfassen. Den zweiten Teil der Wayfarer-Trilogie, der am 25. Januar in Deutschland bei Fischer TOR erschienen ist, habe ich sehnsüchtig erwartet, seitdem ich Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten ausgelesen hatte. Und ich kann nur sagen: ich wurde nicht enttäuscht. Continue reading „Becky Chambers – Zwischen Zwei Sternen – Wayfarer II“

Herbert Ziergiebel – Zeit der Sternschnuppen

Eine Begegnung der dritten Art – also mit Interaktion – steht dem Grafiker Hans Weyden in Herbert Ziergiebels humorvoller Fabel Zeit der Sternschnuppen beim Aufenthalt in seinem Landsitz Manik Maya südöstlich von Berlin bevor, als er dort nachts seltsame Lichter auf der Wiese bemerkt. Neugierig untersucht er das Phänomen – und gerät schwuppdiwupp samt Dackel Waldi in eine außerirdische Entführung, die aber nicht ganz unfreiwillig passiert.

Einige Wochen später wacht er aus dem Kälteschlaf im Raumschiff der Fremden auf – und trifft dabei auf eine wunderschöne, intelligente junge Frau – und ihren Vater. Beide wurden von der Erde vor 2.500 Jahren entführt, der Zeit des alten Babylon – Zeitdilatation sei dank sind sie immer noch frisch. Und zumindest Aul, das Mädchen, hat inzwischen Hans’ Sprache gelernt.

In dem ausgehöhlten sechsten Mond des Jupiter wohnen beide – gerettet vor einem Krieg von Me, einem außerirdischen Wesen, dessen Körper zerstört, dessen Geist aber in einem konservierten Gehirn überlebt hat (Hallo, Futurama!).

Nun gibt es naturgemäß recht wenig zu tun in einem ausgehöhlten Mond – außer sich vielleicht der körperlichen Liebe zwischen Aul und Hans hinzugeben (denn leidenschaftliche Liebe empfindet nur Aul für Hans – der weiß gar nicht so recht, was er eigentlich will) – oder für deren Vater Bratkartoffeln zu braten. Mit den exotischen Pflanzen, die Roboter von der Erde für die beiden mitgebracht haben, konnte der alte Herr nämlich sonst nichts anfangen. Schließen waren die im alten Zweistromland noch nicht verbreitet. Zur Kommunikation mit ihm bedient sich Hans eines Roboters, den er kurzerhand Fritzchen tauft – und zu dritt beginnen sie sogar, eine Skatrunde auf dem Jupitermond zu etablieren. Was alles reichlich skurril als Handlung klingt, erfüllt natürlich einen literarischen Zweck: Ziergiebel schafft es dadurch sehr unkompliziert, in einer lebendigen, humorvollen Umgebung ein wenig Philosophie einzustreuen. Der Sklavenhändler trifft den guten Sozialisten, der Erdverbundene den Schutzhäftling, der moderne Mensch den töpfernden Altertümler. Spannende Dialoge sind die Folge. Und die gehen trotz aller diametral unterschiedlicher Ansichten und Erfahrungen sogar fast ohne Hasse und Wutausbrüche vor sich. Da könnte sich heutzutage mancher Kommentator bei Facebook mal eine satte Scheibe von abschneiden.

Überhaupt werden die Dialoge sehr tiefsinnig, auch mit Aul. Bis zum Sinn der Existenz kämpft man sich gar vor: der reine Selbstzweck auf dem Jupitermond, eventuell zur Aufzucht einer neuen Menschenrasse ohne feste Bindung zur Erde? Oder die schöpferische Tätigkeit in der Gesellschaft auf dem Heimatplaneten zum Wohle aller – auch derjenigen, die man eigentlich nicht leiden kann? Und noch ein dunkles Geheimnis tut sich auf in der Gesellschaft des Menschentrios und der Hilfsroboter auf dem Jupitermond: Simon, ein gefühlsbefähigter Roboter, taucht auf. Aber nur kurz. Dann wird er von den Sicherheitsrobotern exekutiert. Warum?

Hans’ Heimweh nach der Erde setzt sich durch, will er doch wenigstens noch einmal einen Fuß auf seinen Planeten setzen, bevor er für immer mit dem hübschen Mädel im All verschwindet (man muss sich ja wenigstens noch moralisch korrekt von der eigenen Ehefrau verabschieden). Aber auf der Erde angekommen, geht einiges schief.

Hier kommt bei etwa vier Fünftel des Buches auch die schön gesetzte Klammer vom Buchauftakt auch wieder in die Haupthandlung zurück. Hans landet in einem Irrenhaus. Und ab da wird es Slapstick par excellence. Einzig das Ende, die Auflösung der Zeit der Sternschnuppen lässt mich etwas ratlos zurück. Aber auch – im Endeffekt – ist ja nur menschlich.

Fazit

Was Zeit der Sternschnuppen nicht ist: ein großer Wurf in Sachen fantastischer Raumfahrt- oder Technik. Was der Roman dennoch ist: ein humorvolles, spannendes Fenster in die Psyche des (liebenden) Menschen. Herbert Ziergiebel hat eine wunderbar lebendige Schreibe, die das gesamte Büchlein sympathisch macht. Und dabei noch zum Nachdenken anregt. Alles in allem: schönes Buch. Ich freue mich schon auf seine nächste Geschichte, die hier im Schrank steht. Auch das Lexikon Die Science-fiction der DDR von von Erik Simon und Olaf R. Spittel nennt Zeit der Sternschnuppen „eine der hübschesten Fabeln, die in der SF-Literatur der DDR je erfunden wurden“.

Über das Buch Zeit der Sternschnuppen

Zeit der Sternschnuppen - Buchcover - Herbert Ziergiebel - Mit einer Farb-Äquidensitometrie des Kometen Wipple-Fedtke von W. Högner vom Karl-Schwarzschild-Observatorium, Tautenburg bei Jena
Zeit der Sternschnuppen – Buchcover – Herbert Ziergiebel – Mit einer Farb-Äquidensitometrie des Kometen Wipple-Fedtke von W. Högner vom Karl-Schwarzschild-Observatorium, Tautenburg bei Jena

1972 ist Zeit der Sternschnuppen im Verlag Das Neue Berlin in einer Hardcover-Ausgabe mit 310 Seiten erschienen. Der Verlag dankte seinerzeit Herrn W. Högner vom Karl-Schwarzschild-Observatorium, Tautenburg bei Jena, für die freundliche Überlassung einer Farb-Äquidensitometrie des Kometen Wipple-Fedtke, die für die Gestaltung des Schutzumschlages verwendet wurde. Bis zur sechsten Auflage wurde das Buch immer wieder in der DDR auf dem Markt gebracht. Zuletzt hatte es die ISBN 3-360-00221-0. Im Jahre 1981 wurde der Roman in der Serie SF-UTOPIA noch einmal als Paperback aufgelegt.

Klappentext

Immer, wenn im Juli und August am Nachthimmel Sternschnuppen aufleuchten, erinnert sich Hans Weyden an das Abenteuer seines Lebens. Sie hieß Aul, hatte langes schwarzes Haar und trug zu jeder Stunde ein enganliegendes Trikot, denn auf dem sechsten Jupitermond, wo sie sich mit ihrem Vater vorübergehd aufhielt, gibt es keine Jahreszeiten und keine Mode, übrigens auch keinen Spiegel. Hans Weyden war in ihrem Leben der erste Mann – und voraussichtlich auch der letzte. Aber bevor es zu einem herzzerreißenden Abschied kommt, nehmen wir zusammen mit Hans Weyden und dem Dackel Waldi Kurs auf den Jupiter und betreten an seiner Seite eine wunderliche Welt, in der unvorstellbare Zukunft und längst vermoderte Vergangenheit eine seltsame Ehe miteinander eingegangen sind. Ahnungsvoll begleiten wir Weyden bei seiner Rückkehr zur Erde und wünschen ihm, er möge sich der unabwendbar auf ihn zukommenden Entscheidungen gewachsen zeigen.

Herbert Ziergiebel schrieb ein modernes Märchen über einen Menschen unserer Tage. Er legt ihn so an, daß Weyden manchmal unseren Widerspruch herausfordert, ja daß man ihn öfter bei den Ohren nehmen und kräftig schütteln möchte, damit er begreift, daß er nicht der Nabel der Welt ist und daß ein wenig Selbstkritik und Bescheidenheit ihn trefflich kleiden würden. Die Verbindung von Utopie und Wirklichkeit, in der utopischen Literatur äußerst selten anzutreffen, ist für den Leser außerordentlich reizvoll. Ziergiebels Roman bietet dafür ein gutes Beispiel.

Über den Autor Herbert Ziergiebel

Herbert Ziergiebel wurde am 27. Juni 1922 in Nordhorn geboren und starb am 11. September 1988 in Berlin. Vor dem Krieg wurde er Schlosser, qualifizierte sich 1941 zum Konstrukteur und technischen Zeichner. Während der Nazi-Herrschaft war er im Widerstand aktiv und tauchte in Tirol unter, wo er aber 1942 von der Gestapo geschnappt wurde. Über das Gefängnis Innsbruck kam er ins KZ Dachau, aus dem er kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner flüchtete.

Nach dem Krieg widmete er sich dem Studium der Literatur und Geschichte – und beruflich dem Schreiben als Schriftsteller und Journalist. 1956 wurde er in dieser Tätigkeit in Ungarn während der Unruhen abberufen.

Während er in den 1950er und frühen 1960er Jahren Geschichtsromane (darunter auch autobiografisches) schrieb, widmete er sich danach phantastisch-utopischer Literatur. 1966 erschien Die andere Welt im Mitteldeutschen Verlag Halle (Saale), gefolgt von Zeit der Sternschnuppen 1972 im Verlag Das Neue Berlin. In der Anthologie Der Mann vom Anti erschienen 1975 Die Experimente des Professors von Pulex.
Im Trubel um Rolf Biermanns Ausbürgerung wurde es ruhig um Ziergiebel. Von seinem Landsitz bei Spreeau südöstlich von Berlin widmete er sich der Astronomie und Malerei.

Ein Foto seines Grabsteines auf dem evangelischen Karlshorster und Neuen Friedrichsfelder Friedhof in Berlin-Karlshorst findet man bei Knerger. Anlässlich seines 25. Sterbetages widmete Siegfried R. Krebs im Rotfuchs dem Sozialisten Herbert Ziergiebel einen umfangreichen Nachruf.

Angela und Karlheinz Steinmüller – Pulaster

Wir schreiben das Jahr 3110. Fabius Grosser landet auf dem Exoplaneten Pulaster – einer Dschungelwelt, die sich in weiten Teilen parallel zur Erde entwickelt hat – mit einem Unterschied. Vor 65 Millionen Jahren knallte kein Meteorit in die Dinosaurierparty am Ende der Kreidezeit. Und diese Echsen haben sich auf Pulaster zu vernunftbegabten Wesen entwickelt. Continue reading „Angela und Karlheinz Steinmüller – Pulaster“

Arkadi und Boris Strugazki – Atomvulkan Golkonda

Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: Atomvulkan Golkonda ist ein großer Roman mitten aus der Ära der Fortschrittsgläubigkeit – und dabei (trotz Zensur, die wohl in diese Richtung wirken wollte) nicht zu weichgespült, sondern an manchen Stellen düster und einsam und teuflisch und grob. Continue reading „Arkadi und Boris Strugazki – Atomvulkan Golkonda“