Das Gottesmahl – James Morrow

Das Gottesmahl - James Morrow - Buchcover

Gott ist tot. Echt jetzt. Kein Philosophengeschwafel. Sein Leichnam treibt im Atlantik. Und sterbende Engel kommen auf die Erde, um Kapitän Anthony van Horne zu beauftragen, die Leiche des Schöpfers in ein eisiges Grab zu legen. Das ist das Ausgangsszenario in Das Gottesmahl von .

Genau so krass, wie sich das anhört, ist die theothanatologische Satire des Amerikaners ein strammer Ritt durch Glauben und Aufklärung, Philosophie und Moral. Und das ganze ist witzigerweise auch noch in eine spannende Geschichte verpackt. Denn van Horne ist nicht irgendein Kapitän, sondern eine Art Exxon-Valdez-Skipper, der seinen Kahn „Valparaiso“ im Golf von Mexiko kaputtgemacht und damit eine riesige Umweltkatastrophe ausgelöst hat. Seitdem wird er von den Geistern der verendeten Meeresbewohner verfolgt, leidet psychisch und körperlich und steht kurz vor der Obdachlosigkeit, als ihn in New York der Erzengel Rafael aufsucht, um Gottes letzten Willen mitzuteilen: die Bestattung in einer eisigen Gruft in der Arktis.

Er macht sich auf den Weg, auf seinem reparierten Supertanker, um die Leiche des Herrn abzuholen, die vor der Küste Afrikas treibt: zwei Meilen lang, Millionen Tonnen schwer. Und von Raubtieren und trauernden Meeresbewohnern umlagert, die sich alle noch mal eine Scheibe von ihrem Schöpfer abknabbern wollen.

Auf dem Weg in den Norden gerät der Tanker auf eine unkartierte Insel, sie sich plötzlich aus dem Meer erhebt. Skipper Anthony benennt die Insel, die aus Müll und den Überresten einer untergegangenen Zivilisation besteht, nach seinem Vater. Ach ja: mit dem hat er auch ein Problem, seitdem sich dieser über die Havarie seines Sohnes im Golf von Mexiko lustig gemacht hat. Und außerdem reichen die Konflikte der beiden noch wesentlich weiter zurück.

Auf der künstlichen Insel kommt es zur Meuterei. Die Crew, welche die ganze Zeit die Leiche der höchsten moralischen Instanz vor Augen hat, gerät in eine Sodom-und-Gomorrha-Phase, Orgien, Mord und Totschlag. Der Kant’sche Imperativ scheint nicht zu greifen – bis die Vorräte der Meuterer aufgebraucht sind. Reumütig kriechen sie zu Kreuze. Der Kapitän, der mittlerweile mit dem begleitenden Jesuiten-Pater Thomas eine Art umgekehrtes Abendmahl zelebriert und Verpflegung für die Besatzung aus der Leiche des Herrn generiert, versucht sich jetzt vor seiner ex-meuternden Crew als Gott-Ersatz aufzuspielen. Bis die Dinge aus dem Ruder laufen, als plötzlich der zweite Weltkrieg um ihn herum ausbricht.

Zufällig hat die Valparaiso nämlich auf dem Weg zu Gottes Leiche eine Schiffbrüchige aufgenommen, die überzeugte Atheistin, Aufklärerin und Feministin ist. Sie nimmt Kontakt zur ihren Aufklärer-Freunden in New York auf, schildert ihnen die Lage – und die Damen und Herren Gotteslästerer beschließen, den Leichnam Gottes auf den Boden des Meeres zu bomben. Dafür scheuen sie weder Kosten noch Mühen und heuern sogar eine absurde Weltkriegs-Re-Enactment-Gruppe an, die einen großangelegten Angriff a la Midway umsetzen sollen. Bekanntlich ist Krieg die Hölle.

Vollends eskaliert die Lage, als ein weiterer, diesmal bewaffneter, Super-Tanker auftaucht, der unter der Fahne des Vatikans fährt – und nach dem Willen der Kardinalsversammlung und des Papstes und den Leichnam ebenfalls zerstören will. Der Kapitän dieses Tankers ist übrigens der Vater von Anthony van Horne.

Gelingt es dem Käpt’n seinen Auftrag auszuführen? Was wird aus den Menschen und der Menschheit? War es überhaupt Gottes Wille, der da geschehen ist? Und braucht es in unserer heutigen Zeit überhaupt einen Gott? Die Antworten auf diese Fragen gibt es teilweise in Das Gottesmahl – und teilweise könnten diese Antworten die Bevölkerung verunsichern. 😉

Fazit

Irre, witzig, intellektuell anspruchsvoll und an manchen Stellen anregend zum Nachdenken habe ich das Buch gelesen. Den zweiten Teil des Taschenbuches hoch über den Schauplätzen der Geschichte auf einem Flug über den Atlantik. Manko: Zahlreiche Schreibfehler trüben den Lesespaß der deutschen Übersetzung. So einen schlecht redigierten Text habe ich zuletzt nur in Selbstverlag-Produkten erlebt.

Über das Buch Das Gottesmahl

Das Gottesmahl - James Morrow - Buchcover
Das Gottesmahl – James Morrow – Buchcover

Bei Heyne ist Das Gottesmahl unter der ISBN 3-453-14903-3 im Jahr 1999 erschienen. 494 Seiten füllt der Autor James Morrow. Das Buch wurde mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet. Horst Pukallus hat das Buch aus dem amerikanischen (OT: Towing Jehova, 1994) übersetzt. Die Nachfolge-Bände (Blameless in Abaddon, The Eternal Footman) sind nicht auf Deutsch erschienen.

Verwandte Themen

Wer sich für andere Bücher interessiert, die sich mit Humor rund um beschäftigen, dem empfehle ich einen Blick auf Die Bibel nach Biff von Christopher Moore und Wie ich Jesus Star Wars zeigte von Joachim Sohn.

Klappentext

An seinem fünfzigsten Geburtstag hat Anthony von Horne eine ungewöhnliche Erscheinung. Mit blinkendem Heiligenschein berichtet ihm der Erzengel Rafael, daß Gott gestorben und ins Meer gefallen sei. Was tun? Bald findet sich van Horne an Bord des unter vatikanischer Flagge fahrenden Supertankers „Carpco Valparaiso“ wieder. Sein Auftrag: Zu verhindern, daß der zwei Meilen lange Körper des Schöpfers als Mahlzeit für Haie endet. Der neue des preisgekrönten Autors von „Die eingeborene Tochter“ und „Die Stadt der Wahrheit“.

Über den Autor James Morrow

Geboren wurde James Morrow am 17 März 1947 in Germantown, Philadelphia. Er studierte unter anderem in Pennsylvania und Harvard und beschäftigte sich vor seiner Schriftstellerkarriere mit dem Medium Film.

Neben und hat er auch historische Romane geschrieben. Mit Hilfe von Satire behandelt er in seinen Büchern theologische und philosophische Fragen.

Sein erster Roman The Wine Of Violence erschien 1981. Die drei lose verknüpften Romane Towing Jehova, Blameless in Abaddon und The Eternal Footman fanden ein großes Publikum. Der erste Band wurde sogar mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet.

Auf meiner Leseliste steht neben den beiden Sequels zu Das Gottesmahl definitiv auch This Is the Way the World Ends (deutsch: So muss die Welt enden).

Derzeit lebt er in Pennsylvania mit seiner zweiten Frau Kathy, einem Sohn und zwei Hunden. Mit Kathy hat er unter anderem einen Lehrplan für Mittelschulen herausgegeben, der das Werk Tolkiens in öffentliche Schulen bringen soll. Außerdem beschäftigen sich beide gern mit europäischer Science Fiction.

Mehr Informationen über James Morrow gibt es auf seiner Homepage.

Hier im Phantastischen Bücherschrank habe ich Das Gottesmahl und Der Kontinent der Lügen unter die Lupe genommen.

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