Schlagwort: Mond

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Mondstation Ovillon – Henry Walter

Hui, was für ein wilder Ritt! In Mondstation Ovillon von Henry Walter kommt neben Hard Science Fiction eine Menge Jules Verne, ein wenig Abenteuerroman, Gesellschaftsskritik und eine gehörige Portion Slapstick zusammen. Aber von vorn:

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Der Übergang – Gerd Frey

Ein Kolonistenschiff wird in „Der Übergang“ von Gerd Frey (Untertitel „Transition & Evolution 2.0) aus dem Routine-Tiefschlaf geweckt. Ein außerirdisches Raumschiff ist mit dem Raumschiff „Dali“ verbunden. Und irgendetwas ist furchtbar schiefgelaufen.

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Günther Krupkat – Die Unsichtbaren

Ich schicke gleich eines vorneweg: Dieses Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen. Warum? Ganz einfach: Die Unsichtbaren ist eine Mischung aus gutgedachter Zukunftsvision, ein wenig Liebesgeschichte und Agententhriller auf der Erde und im Weltraum. (mehr …)


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Robert A. Heinlein – Pioniere im Weltall

Mit Pioniere im Weltall von Robert A. Heinlein habe ich sehr tief ins Regal amerikanischer Science-Fiction-Klassiker gegriffen. Das Büchlein, dass den Untertitel „Siedler auf Jupiter G4“ trägt, heißt ursprünglich Farmer in the sky – und das ist es auch: ein Wild-West-Siedlungsroman, der halt nicht in Kentucky spielt, sondern auf dem Jupitermond Ganymed.

Die Story um den jungen William J. Lermer und seinen Vater, die von einer absolut überbevölkerten Erde vor dürftigen Lebensmittelrationen fliehen, kommt dabei mit einer klaren Linie aus: die Familie, die sich plötzlich vergrößert (George, der Vater heiratet kurzfristig eine Frau mit zwölfjähriger Tochter), wird mit einem Interplanetaren Raumschiff zum Ganymed gebracht. (Ganz in der astronomischen Nähe spielte übrigens schon Zeit der Sternschnuppen von Herbert Ziergiebel)

Dort wird neben einem halbwegs passablen Terraforming auch Landwirtschaft eingeführt – und ganz nebenbei auch die Pfadfinderei. Als ein seltenes astronomisches Ereignis die Ganymed-Kruste zum Beben bringt, kommt es zur Katastrophe. Die Tochter, die sich eh nie akklimatisieren konnte, stirbt (ganz nebenbei) – und die tapferen Siedler geben sich große Mühe, autark zu werden, damit die Kolonie überlebt, wenn auf der Erde der unausweichliche Bevölkerungs-Reduzierungs-Krieg ausbricht.

Neben sehr viel Optimismus in Sachen technischer Umsetzbarkeit seiner Ideen bleibt Heinlein ein Kind seiner Zeit: klassische Rollenverteilung in der Familie, keinerlei Vision für die Gesellschaft an sich. Einzig Kapitän Hattie sticht etwas heraus: eine Frau, die (sehr ruppig) die Raumfähre zwischen interplanetarem Transportschiff und Ganymed fliegt. Auch sie bleibt aber als Charakter sehr unterentwickelt zurück.

Die Erwähnung der Pfadfinderei geht übrigens darauf zurück, dass das Buch ursprünglich als Fortsetzungsroman für die Pfadfinder-Zeitschrift Boy’s Life konzipiert war.

Fazit

Irgendwo zwischen Jugendbuch und erwachsener Science Fiction angesiedelt glänzt Heinlein durch einen sehr lesbaren Schreibstil – obwohl die Story aus heutiger Sicht teilweise sehr dünn ist.

Über das Buch Pioniere im Weltall

Pioniere im Weltall - Robert A. Heinlein - Buchcover - Illustration: Bernhard Borchert

Pioniere im Weltall – Robert A. Heinlein – Buchcover – Illustration: Bernhard Borchert

Ursprünglich ist Pioniere im Weltall im Jahr 1950 als Farmer In The Sky bei Charles Scribner’s Sons erschienen. Ich hatte das Vergnügen, im Hardcover der Gebrüder Weiss Berlin zu schmökern, mit einem Einbandentwurf von Bernhard Borchert erschienen ist.

Auf 263 Seiten darf sich Heinlein bei den Berliner Brüdern austoben.

Über den Autor Robert A. Heinlein

Robert Anson Heinlein wurde am 7. Juli 1907 in Butler, Missouri, USA geboren. Zwischen den Weltkriegen ging Heinlein an die Marineakademie in Annapolis und diente auf verschiedenen Schiffen der US Navy, bevor er 1934 wegen Tuberkulose seinen Dienst beenden musste. Er wird zusammen mit Isaac Asimov und Arthur C. Clarke zu den großen Drei der klassischen amerikanischen Science Fiction gezählt. Heinlein starb am 9. Mai 1988 in Carmel-by-the-Sea in Kalifornien, USA. Er war zwei Mal verheiratet und hinterließ keine Kinder.


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Karl-Heinz Tuschel – Ein Stern fliegt vorbei

Es ist und bleibt eine prima Zeit, in der Romane wie „Ein Stern fliegt vorbei“ (oder, wie er manchmal auch hieß: Ein Stern flog vorbei) geschrieben wurde. Die späten Sechziger: Der Weg in den Weltraum ist erkundet. Die Herausforderungen an die Menschheit reihen sich aneinander. Und da kann man als Autor auch mal geschwind ein paar Jahrhunderte überspringen und seiner Fantasie freien Lauf lassen. (mehr …)


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Herbert Ziergiebel – Zeit der Sternschnuppen

Eine Begegnung der dritten Art – also mit Interaktion – steht dem Grafiker Hans Weyden in Herbert Ziergiebels humorvoller Fabel Zeit der Sternschnuppen beim Aufenthalt in seinem Landsitz Manik Maya südöstlich von Berlin bevor, als er dort nachts seltsame Lichter auf der Wiese bemerkt. Neugierig untersucht er das Phänomen – und gerät schwuppdiwupp samt Dackel Waldi in eine außerirdische Entführung, die aber nicht ganz unfreiwillig passiert.

Einige Wochen später wacht er aus dem Kälteschlaf im Raumschiff der Fremden auf – und trifft dabei auf eine wunderschöne, intelligente junge Frau – und ihren Vater. Beide wurden von der Erde vor 2.500 Jahren entführt, der Zeit des alten Babylon – Zeitdilatation sei dank sind sie immer noch frisch. Und zumindest Aul, das Mädchen, hat inzwischen Hans’ Sprache gelernt.

In dem ausgehöhlten sechsten Mond des Jupiter wohnen beide – gerettet vor einem Krieg von Me, einem außerirdischen Wesen, dessen Körper zerstört, dessen Geist aber in einem konservierten Gehirn überlebt hat (Hallo, Futurama!).

Nun gibt es naturgemäß recht wenig zu tun in einem ausgehöhlten Mond – außer sich vielleicht der körperlichen Liebe zwischen Aul und Hans hinzugeben (denn leidenschaftliche Liebe empfindet nur Aul für Hans – der weiß gar nicht so recht, was er eigentlich will) – oder für deren Vater Bratkartoffeln zu braten. Mit den exotischen Pflanzen, die Roboter von der Erde für die beiden mitgebracht haben, konnte der alte Herr nämlich sonst nichts anfangen. Schließen waren die im alten Zweistromland noch nicht verbreitet. Zur Kommunikation mit ihm bedient sich Hans eines Roboters, den er kurzerhand Fritzchen tauft – und zu dritt beginnen sie sogar, eine Skatrunde auf dem Jupitermond zu etablieren. Was alles reichlich skurril als Handlung klingt, erfüllt natürlich einen literarischen Zweck: Ziergiebel schafft es dadurch sehr unkompliziert, in einer lebendigen, humorvollen Umgebung ein wenig Philosophie einzustreuen. Der Sklavenhändler trifft den guten Sozialisten, der Erdverbundene den Schutzhäftling, der moderne Mensch den töpfernden Altertümler. Spannende Dialoge sind die Folge. Und die gehen trotz aller diametral unterschiedlicher Ansichten und Erfahrungen sogar fast ohne Hasse und Wutausbrüche vor sich. Da könnte sich heutzutage mancher Kommentator bei Facebook mal eine satte Scheibe von abschneiden.

Überhaupt werden die Dialoge sehr tiefsinnig, auch mit Aul. Bis zum Sinn der Existenz kämpft man sich gar vor: der reine Selbstzweck auf dem Jupitermond, eventuell zur Aufzucht einer neuen Menschenrasse ohne feste Bindung zur Erde? Oder die schöpferische Tätigkeit in der Gesellschaft auf dem Heimatplaneten zum Wohle aller – auch derjenigen, die man eigentlich nicht leiden kann? Und noch ein dunkles Geheimnis tut sich auf in der Gesellschaft des Menschentrios und der Hilfsroboter auf dem Jupitermond: Simon, ein gefühlsbefähigter Roboter, taucht auf. Aber nur kurz. Dann wird er von den Sicherheitsrobotern exekutiert. Warum?

Hans’ Heimweh nach der Erde setzt sich durch, will er doch wenigstens noch einmal einen Fuß auf seinen Planeten setzen, bevor er für immer mit dem hübschen Mädel im All verschwindet (man muss sich ja wenigstens noch moralisch korrekt von der eigenen Ehefrau verabschieden). Aber auf der Erde angekommen, geht einiges schief.

Hier kommt bei etwa vier Fünftel des Buches auch die schön gesetzte Klammer vom Buchauftakt auch wieder in die Haupthandlung zurück. Hans landet in einem Irrenhaus. Und ab da wird es Slapstick par excellence. Einzig das Ende, die Auflösung der Zeit der Sternschnuppen lässt mich etwas ratlos zurück. Aber auch – im Endeffekt – ist ja nur menschlich.

Fazit

Was Zeit der Sternschnuppen nicht ist: ein großer Wurf in Sachen fantastischer Raumfahrt- oder Technik. Was der Roman dennoch ist: ein humorvolles, spannendes Fenster in die Psyche des (liebenden) Menschen. Herbert Ziergiebel hat eine wunderbar lebendige Schreibe, die das gesamte Büchlein sympathisch macht. Und dabei noch zum Nachdenken anregt. Alles in allem: schönes Buch. Ich freue mich schon auf seine nächste Geschichte, die hier im Schrank steht. Auch das Lexikon Die Science-fiction der DDR von von Erik Simon und Olaf R. Spittel nennt Zeit der Sternschnuppen „eine der hübschesten Fabeln, die in der SF-Literatur der DDR je erfunden wurden“.

Über das Buch Zeit der Sternschnuppen

Zeit der Sternschnuppen - Buchcover - Herbert Ziergiebel - Mit einer Farb-Äquidensitometrie des Kometen Wipple-Fedtke von W. Högner vom Karl-Schwarzschild-Observatorium, Tautenburg bei Jena

Zeit der Sternschnuppen – Buchcover – Herbert Ziergiebel – Mit einer Farb-Äquidensitometrie des Kometen Wipple-Fedtke von W. Högner vom Karl-Schwarzschild-Observatorium, Tautenburg bei Jena

1972 ist Zeit der Sternschnuppen im Verlag Das Neue Berlin in einer Hardcover-Ausgabe mit 310 Seiten erschienen. Der Verlag dankte seinerzeit Herrn W. Högner vom Karl-Schwarzschild-Observatorium, Tautenburg bei Jena, für die freundliche Überlassung einer Farb-Äquidensitometrie des Kometen Wipple-Fedtke, die für die Gestaltung des Schutzumschlages verwendet wurde. Bis zur sechsten Auflage wurde das Buch immer wieder in der DDR auf dem Markt gebracht. Zuletzt hatte es die ISBN 3-360-00221-0. Im Jahre 1981 wurde der Roman in der Serie SF-UTOPIA noch einmal als Paperback aufgelegt.

Klappentext

Immer, wenn im Juli und August am Nachthimmel Sternschnuppen aufleuchten, erinnert sich Hans Weyden an das Abenteuer seines Lebens. Sie hieß Aul, hatte langes schwarzes Haar und trug zu jeder Stunde ein enganliegendes Trikot, denn auf dem sechsten Jupitermond, wo sie sich mit ihrem Vater vorübergehd aufhielt, gibt es keine Jahreszeiten und keine Mode, übrigens auch keinen Spiegel. Hans Weyden war in ihrem Leben der erste Mann – und voraussichtlich auch der letzte. Aber bevor es zu einem herzzerreißenden Abschied kommt, nehmen wir zusammen mit Hans Weyden und dem Dackel Waldi Kurs auf den Jupiter und betreten an seiner Seite eine wunderliche Welt, in der unvorstellbare Zukunft und längst vermoderte Vergangenheit eine seltsame Ehe miteinander eingegangen sind. Ahnungsvoll begleiten wir Weyden bei seiner Rückkehr zur Erde und wünschen ihm, er möge sich der unabwendbar auf ihn zukommenden Entscheidungen gewachsen zeigen.

Herbert Ziergiebel schrieb ein modernes Märchen über einen Menschen unserer Tage. Er legt ihn so an, daß Weyden manchmal unseren Widerspruch herausfordert, ja daß man ihn öfter bei den Ohren nehmen und kräftig schütteln möchte, damit er begreift, daß er nicht der Nabel der Welt ist und daß ein wenig Selbstkritik und Bescheidenheit ihn trefflich kleiden würden. Die Verbindung von Utopie und Wirklichkeit, in der utopischen Literatur äußerst selten anzutreffen, ist für den Leser außerordentlich reizvoll. Ziergiebels Roman bietet dafür ein gutes Beispiel.

Über den Autor Herbert Ziergiebel

Herbert Ziergiebel wurde am 27. Juni 1922 in Nordhorn geboren und starb am 11. September 1988 in Berlin. Vor dem Krieg wurde er Schlosser, qualifizierte sich 1941 zum Konstrukteur und technischen Zeichner. Während der Nazi-Herrschaft war er im Widerstand aktiv und tauchte in Tirol unter, wo er aber 1942 von der Gestapo geschnappt wurde. Über das Gefängnis Innsbruck kam er ins KZ Dachau, aus dem er kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner flüchtete.

Nach dem Krieg widmete er sich dem Studium der Literatur und Geschichte – und beruflich dem Schreiben als Schriftsteller und Journalist. 1956 wurde er in dieser Tätigkeit in Ungarn während der Unruhen abberufen.

Während er in den 1950er und frühen 1960er Jahren Geschichtsromane (darunter auch autobiografisches) schrieb, widmete er sich danach phantastisch-utopischer Literatur. 1966 erschien Die andere Welt im Mitteldeutschen Verlag Halle (Saale), gefolgt von Zeit der Sternschnuppen 1972 im Verlag Das Neue Berlin. In der Anthologie Der Mann vom Anti erschienen 1975 Die Experimente des Professors von Pulex.
Im Trubel um Rolf Biermanns Ausbürgerung wurde es ruhig um Ziergiebel. Von seinem Landsitz bei Spreeau südöstlich von Berlin widmete er sich der Astronomie und Malerei.

Ein Foto seines Grabsteines auf dem evangelischen Karlshorster und Neuen Friedrichsfelder Friedhof in Berlin-Karlshorst findet man bei Knerger. Anlässlich seines 25. Sterbetages widmete Siegfried R. Krebs im Rotfuchs dem Sozialisten Herbert Ziergiebel einen umfangreichen Nachruf.


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Günther Krupkat – Als die Götter starben

Lange habe ich mich auf dieses Buch gefreut, jetzt habe ich es in einem einzigen Rutsch gelesen – und kann sagen: „Als die Götter starben“ ist einfach toll. Nicht nur, dass es eine wunderschöne Zukunftsvision der frühen 1960er Jahre erzählt, es knüpft auch noch einen historischen Thriller in die Handlung ein.

Kurz zur Geschichte: Der Ärchaologe Olden findet auf dem Mond bei der Auswertung von Luftaufnahmen einen seltsamen Schatten. Bei der Untersuchung vor Ort stellt sie die Ursache des Schattenwurfs als Trümmer eines außerirdischen Raumschiffs dar. Bevor er das Wrackteil sichern kann, versinkt es bei einem Erdrutsch (oder Mondrutsch?). Der Historiker steht mit leeren Händen da.

Der Weltforschungsrat genehmigt im weiteren Verlauf Forschungen auf dem Marsmond Phobos. Von der Mondstadt Endymion (in der Krupkat schon 1963 eine Statue aufstellt zur Erinnerung an die drei (!) ersten Raumfahrer, die den Mond besuchten) startet er mit einer Truppe Vertrauter zum vierten Planeten. Dort entdeckt Olden durch Zufall Bauwerke tief im Inneren des Mondes. Und eine Kiste mit mikrofilmähnlichen Stäben.

Ab jetzt wird das Buch auch technisch noch mal eine Qualitätsstufe angehoben. Aus den Daten-Fragmenten auf den Stäben konstruiert Olden die Geschichte des Außerirdischen Termon, der vor sechstausend Jahren vom Doppel-Planeten Meju-Ortu kommend ein Ausweichquartier für seine Zivilisation sucht, da die alte Heimat in Trümmer fällt.

Mit einer Erkundungsmission trifft er im Bekaa-Tal (ja, genau: das ist bei Baalbek im heutigen Libanon) auf die Ureinwohner der Erde („Imra“ in Meju-Sprache). Die Terassen von Baalbek werden als Landestelle für das große Umzugs-Raumschiff der Mejuaner vorbereitet. Dabei treffen die Mejuaner auf den Kriegssklaven Leth und den Sohn des herrschenden Fürsten Sotas. Beide werden zu Vertrauten der „Götter“.

Mit solchen Kugeln reisen die Mejuaner zur Erde - Günther Krupkat - Illustration: Martin Kotsch

Mit solchen Kugeln reisen die Mejuaner zur Erde – Günther Krupkat – Illustration: Martin Kotsch

Während der Meju-Ortu (der seine Kreisbahn zwischen Mars und Jupiter hatte, dort, wo lange ein Planet namens „Phaeton“ vermutet wurde und wo heute ein Asteroidengürtel ist) in einem Inferno auseinanderfällt, gehen auf den benachbarten Planeten Asteroidenschauer nieder – und zerstören nicht nur ganze Landstriche, sondern auch zwei der Raumfahrt-Kugeln, die das Vorauskommando evakuieren sollen. So gehen die Götter in einem nuklearen Blitz unter.

Die große Frage am Ende des Buches bleibt: Wohin, wenn überhaupt, konnten sich die Mejuaner nach der Katastrophe ihres Sterns vor sechzig Jahrhunderten retten? Und wird Olden Hinweise auf Meju II finden können?

Kommen wir zu den kleinen Anekdötchen rund um die Lektüre. Interessant, weil selten, ist, dass die Geschichte der Gegenwart konsequent im Präsens erzählt wird. Toller Trick, den auch Journalisten gern anwenden, um die Handlung noch näher an den Leser zu bringen. Und obwohl Krupkat in seiner Geschichte weit vorausschaut, Raumschiffe mit Photonenantrieb heraufbeschwört und die Mejuaner über die Technik zur Gravitationsbeeinflussung verfügen lässt, sind im Forscherteam die Frauen für das Kochen verantwortlich.

„Heute hat Li Innendienst“, bemerkt Wera.

„O weh!“ stöhnt Olden. „Auch das noch!“

„Was haben Sie an Li auszusetzen, Erik?“

„An Li nichts. Nur an ihrer Kochkunst. Unter ihren Händen versagt selbst die modernste Küchenautomatik.“

„Na, na!“

„Doch, Wera!“, pflichtet Gombare bei. „Es ist sehr schlimm. Das erinnert mich immer an die barbarische Sitte unserer Vorfahren.“

„Barbarische Sitte?“

„Nun ja, so ein armer Mann musste zeitlebens essen, was seine Frau zubereitete. Es soll Männer gegeben haben, die einfach davonliefen und in ein sogenanntes Wirtshaus gingen. Dort aber war es auch nicht besser. Da lobe ich mir unsere Speiseautomaten. Ich gäbe viel drum, wenn ich heute auf der Erde essen könnte!“

Wera blinzelt ihm zu. „Im Vertrauen gesagt, ich auch. Ich glaube, in dieser Beziehung habt ihr Männer euch während der letzten zehntausend Jahre nicht verändert. Ob es auf anderen Sternen auch so sein mag?“

„Wie können Sie an der Gleichheit der gesetzmäßigen Entwicklung im All zweifeln!“ weist Olden sie lachend zurecht.

Zubringerraketen versorgen das Großraumschiff auf der Außenreede des Mondes - Günther Krupkat - Illustration: Martin Kotsch

Zubringerraketen versorgen das Großraumschiff auf der Außenreede des Mondes – Günther Krupkat – Illustration: Martin Kotsch

Zur Ehrenrettung von Krupkats Frauenbild: Wera ist Navigatorin des modernsten Raumschiffes, dass an der Außenwerft des Mondes die Forscher aufnimmt und zum Mars bringt.

Ein Roboter („RASA“, der beim Aufräumen auf dem Marsmond hilft, hat offenbar noch nichts von Asimovs Robotergesetzen gehört.

Und fast könnte man meinen, dass Gerhard Matzke sehr intensiv das Buch gelesen hat, als er selbst in seinem kleinen Jugendroman zum Marsmond Phobos aufbricht.

Auf der Erde, in den Rückblenden von Termon, machen wir dann auch klitzekleine Exkursionen in die Entwicklungsgeschichte der Menschheit unter dem Blickwinkel des Klassenkampfs – aber auch hier ist Krupkat geschickt: es wird niemals aufdringlich.

Religiös wird es nicht nur bei den Betrachtungen zum Auftauchen der Götter aus dem Kosmos. Parallen zu biblischen Geschichten werden von Krupkat ebenso in die Handlung entwickelt. Jetzt wissen wir endlich faktisch, warum Sodom und Gomorrha untergingen, wie Loths Frau zur Salzsäule wurde, welche Rolle das Städtchen Qumran spielte – und wie das mit der Entwicklung des Toten Meeres, der Sumerer und des Zweistromlandes so war, dass vor sechstausend Jahren plötzlich einen irren Sprung in der technologischen Entwicklung hingelegt hat: Keilschrift, Astronomie, Götterkult, Tempelbauten, etc.p.p.

Über das Buch „Als die Götter starben“

Als die Götter starben - Buchcover - Günther Krupkat - Illustration: Martin Kotsch

Als die Götter starben – Buchcover – Günther Krupkat – Illustration: Martin Kotsch

Das in fünf Teile („Endymion“, „Phobos“, „Meju“, „Sodom und Gomorrha“, „Heliopolis“) gegliederte „Als die Götter starben“ erschien erstmals 1963 im Verlag Das Neue Berlin in der Gelben Reihe. Lektorin war Helga Hielscher und die Illustrationen, die ich für Geschmackssache halte, stammen von Martin Kotsch.

Wer sich für die Problematik der Terrassen von Baalbek näher interessiert, wird sicher auch bei Carlos Rasch fündig. In „Der blaue Planet“ konstruiert er im gleichen Jahr wir Krupkat eine Landung von Außerirdischen in der Bekaa-Ebene.

Über den Autor

Günther Krupkat

Günther Krupkat

In der Person Günther Krupkats vereinen sich die beiden Berufe, die für einen Science-Fiction-Autor offenbar die perfekte Mischung sind: Ingenieur und Schriftsteller. Am 5. Juli 1905 in Berlin geboren wuchs er direkt in die Zeit des Nationalsozialismus herein. Aus Geldmangel musste er sein Ingenieurstudium abbrechen und schlug sich als Fabrikarbeiter und Elektromonteur, aber auch als Reklametexter, Filmdramaturg und Journalist durch.

Eine erste utopische Erzählung („Od“) fiel 1924 bei den Verlagen durch, weil sie ideologisch zu weit links stand. Offenbar blieb er sich und seinen politischen Idealen auch in den Folgejahren treu: durch seinen Widerstand gegen die Nazis musste er in die Tschechoslowakei flüchten.

Nach dem Krieg lebte Krupkat in der DDR, beendete in Berlin sein Ingenieurstudium und arbeitete anschließend wieder für die Presse. Seit 1955 ist er freiberuflich tätig, vor allem im utopischen und phantastischen Feld.

Neben dem utopischen Arbeitsfeld tobt sich Krupkat auch anderweitig aus: 1957 erscheint mit „Das Schiff der Verlorenen“ ein Buch über den Untergang der Titanic. Ein Jahr später kommt dann „Das Gesicht“ heraus, dass er 1962 auch für das Fernsehen bearbeitet. 1960 wird das Schauspiel „AR 2 ruft Ikarus“ aufgeführt. Ein Jahr vor der Mondlandung beschäftigt er sich mit Fernsehspielen wie dem dreiteiligen Fernsehfilm „Die Stunde des Skorpions“, der Elemente seines Roman „Die Unsichtbaren“ verwendet und bei dem Krupkat auch Regie führt.

Auf seine Initiative hin gründete sich im DDR-Schriftstellerverband ein Arbeitskreis „Utopische Literatur“, dessen Vorsitzender er von 1972 bis 1978 war. 1985 gibt es als Lohn für die kontinuierliche Arbeit den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.

Seine bekanntesten Werke, die in der Prä-Astronautik der DDR-Science-Fiction angelegt wurden, sind „Nabou“ und „Als die Götter starben“. Außerdem habe ich hier im Blog auch über „Die große Grenze“ aus seiner Feder geschrieben.

Andreas Reber hat sich auf seinem Blog Life in the 22nd century in der Autorenübersicht mit Günter Krupkat auseinandergesetzt. In der Wikipedia findet man Günther Krupkat hier. Auch in FictionFantasy.de gibt es einen Eintrag für Günther Krupkat.


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H. L. Fahlberg – Erde ohne Nacht

Ich falle mal mit der Tür ins aus: Mit einem Beutel Bierflaschen als blinder Passagier ins All – so stellt sich Fernsehreporter Conny Bell seine Reise mit der gigantischen Rakete „Trabant“ vor, um exklusiv die erste Reportage von der Baustelle aus dem Kosmos zur Erde zu schicken. Das war zumindest die Stelle, bei ich am lautesten gelacht habe. (mehr …)