Die Offenbarung des Uhrwerks – Sven Haupt

Kennst du das auch? Du liest ein Buch – und plötzlich erinnerst du dich an eine bestimmte Stimmung oder Atmosphäre, die du in einem anderen Buch, Film oder Musikstück schon mal gefühlt hast? Beim Lesen von Sven Haupts Episodenroman „Die Offenbarung des Uhrwerks“ ging es mir ganz oft so. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen – denn er hat nicht die Themen anderer Werke plagiiert, sondern große, klassische Themen auferstehen lassen, fast wie in einer Hommage an große Geister.

Über einen Zeitraum von rund 480 Jahren und 12 Generationen verfolgen wir die Geschicke der Familie Cameron. Von den tiefen Dschungeln Siams, wo wir am Ende des 19. Jahrhunderts wie bei Indiana Jones auf der Suche nach energiegeladenen Knochenartefakten sind geht es nach Sibirien im Jahr 1923.

Ähnlich wie in Ursula K. LeGuins „Winterplanet“ verfolgen wir zwei Männer bei ihrer Flucht über das Eis, die gelingt, als wie aus Jules Vernes Werken plötzlich eine Art Kapitän Nemo auftaucht – der sich dann auch noch über den Namen „Nautilus“ lustig macht. Ein Drei-Staaten-Gleichgewicht entwickelt sich in der Parallelwelt Sven Haupts ähnlich wie in 1984 – und mitten in dieser Phase, die eigentlich entwicklungstheoretisch in der Phase der Zwischenkriegszeit angesiedelt sein müsste, stoßen wir auf die Baupläne für eine Militärstation – auf dem Mond.

Ich will nicht zu viele Details verraten, und auch nicht die Entwicklung der Handlung allzu sehr vorwegnehmen, aber: mit Schwenks zu den dreibeinigen Herrschern, Sherlock Holmes bis hin zu Star Gate (wer es moderner mag: „Transport„), Echsenmenschen und sogar einem rituellen Gruppenselbstmord wie im „Life of Brian“ zündet Haupt ein Feuerwerk nach dem anderen, nicht nur in seinen verwandten Genres, sondern literaturweit.

Dabei behalten die einzelnen Kurzgeschichten einen ganz eigenen Charakter und Charme, ohne dabei den Fluss der Rahmenhandlung zu stören. Und die hat es echt in sich. Denn obwohl Steampunk auf dem Buchcover steht, und mit viel Messing, Kupfer und magischen Dampfmaschinen-Luftschiffen auch viel Steampunk drin ist, entwickelt der Autor eine astreine Science-Fiction-, die sich mit mythischen, transdimensionalen Würmern auf Entdeckungsreise durch Raum, Zeit und Raumzeit macht – bis zum großen Uhrmacher, dem Gott des Werkes.

Freunde des Goldenen Kompass und vergleichbarer Literatur kommen also genauso auf ihre Kosten wie Anhänger von Arthur C. Clarke und Co. – und ich schwärme immer noch von den leuchtenden Luftquallenherden der Kaylanee, die majestätisch ihre Bahnen am Firmament ziehen. Und natürlich von der , die durch das Weltall gleitet.

Auch das Finale kann sich sehen lassen – warum ich meine Lektüre direkt mit dem Ende von „Der Herr der Ringe“ assoziierte, darf der Leser getrost selbst herausfinden.

Fazit

Abwechslungsreich, farbenfroh und eine gute Mischung aus Fantasy und Science-Fiction – hat es erneut geschafft, mir ein Buch in die Hand zu drücken, dass mich rundum zufrieden zurücklässt. Es ist keine leichte Kost, aber jede Seite wert!

Über das Buch Die Offenbarung des Uhrwerks

Die Offenbarung des Uhrwerks - Sven Haupt - Buchcover
Die Offenbarung des Uhrwerks – Sven Haupt – Buchcover

Die Paperback aus dem Mystic-Verlag ist im Juni 2019 erschienen, umfasst 331 Seiten und ist unter der ISBN 9783947721368 für 12,99 Euro im Handel erhältlich. Ein kongeniales Lektorat steuerte wieder Helga Sadowski bei. Die beiden sind ein Dreamteam.

Die Offenbarung des Uhrwerks im Internet

Was Sven Haupt selbst über seinen Episodenroman denkt, hat er auf seinem Weblog beschrieben. Die einzige andere Rezension, die ich zum Buch auf einem Weblog gefunden habe, ist so oberflächlich, dass ich sie dem Leser ersparen möchte.

Klappentext

„So höre gut zu, Junge mit dem alten Namen Cameron, denn dies ist die Wahrheit vom Werden und Vergehen aller Dinge und das Fundament unseres Glaubens. Es ist auch die Geschichte deiner Familie.
Am Anfang steht die Magie in unserem Herzen, die sich in den Knochen sammelt. Sie entfacht das Feuer in unserer Seele. Dieses Feuer kocht das Wasser und produziert den Dampf, der unser Leben antreibt. Seine Kraft ist es, die uns vom Boden erhebt und in den Himmel trägt. Magie, Feuer und Dampf öffnen uns die Tore zu neuen Welten, wo unsere Seele Erkenntnisse findet. Einsichten, die uns das Wesen des Kosmos verstehen lassen und uns weise machen.
Diese Weisheit lässt uns die Schöpfung lieben und entfacht aufs Neue die Magie in unseren Herzen. Hier schließt sich der Kreis und es offenbart sich das Uhrwerk und mit ihm die tiefste Wahrheit des Universums.”

Über den Autor Sven Haupt

Sven Haupt wurde nach Verlagsangaben 1976 in Bonn geboren. Er hat Biologie studiert und 2008 in kognitiver Hirnforschung promoviert. Er arbeitet als IT-Experte für ein -Unternehmen. Seit seiner Jugend schreibt er Blogs, Lyrik und Kurzgeschichten. Näher bin ich nicht an den Autor herangekommen – da er nach Auskunft seines Verlages eher kontaktscheu sei und lieber über seine Bücher als über sich selbst spricht.

Mehr Informationen gibt es beim Verlag.

Mittlerweile ist von Sven Haupt neben „Der elektrische Engel“ am 12. November 2018 eine weitere Kurzgeschichtensammlung unter dem Titel Der endlose Kreis als E-Book erschienen. Im Juni 2019 folgte Die Offenbarung des Uhrwerks und zuletzt im April 2020 „Die Sprache der Blumen„.

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