Nodus (Rama IV)- Arthur C. Clarke und Gentry Lee

Nodus (Rama IV) - Arthur C. Clarke und Gentry Lee - Buchcover

Gerade als ich diese Zeilen hier schreibe, habe ich vor einer Minute die letzten Zeilen des Nodus gelesen, des vierten und letzten Bandes der -Tetralogie von und . Und was soll ich sagen, ohne dass es jetzt furchtbar emotional oder pathetisch wird? Ich habe Tränen in den Augen.

Im vierten Band des Rama-Zyklus beenden wir eine Reise, die vor knapp sechzig irdischen Jahren begann. In kurzen Rückblenden erklärt das Autoren-Duo, was bisher geschah – und auch für einen, der in relativ überschaubarem Zeitrahmen alle vier Bände gelesen hat, wird das nicht nervig oder künstlich. Im Raumschiff, dass die Menschenkolonie zur Zentrale der Außerirdischen in die Nähe des Sterns Tau Ceti bringt, hat sich mittlerweile eine Diktatur etabliert. Die Protagonistin Nicole des Jardins sitzt in der Todeszelle, während ihr Mann Richard in die Katakomben der künstlichen Insel New York flüchten konnte. Die Menschen führen Krieg gegen die benachbarte Kolonie, die von anderen Außerirdischen bewohnt wird.

Ein sehr düsteres Zeugnis, dass Clarke und Lee hier von den Menschen geben -aber zugegeben, kein künstliches. Nicole wird befreit, einige ihrer Freunde können ebenfalls den Terror-Staat des Antagonisten Nakamura verlassen und werden von den spinnenähnlichen Oktoarachniden gekiddnappt? Gerettet? Ja, was eigentlich?

Jedenfalls stellt sich bald heraus, dass die Lebensform mit den acht Tentakeln, die wir aus der Vergangenheit als feindlich wahrgenommen hatten, eine deutlich höher entwickelte Spezies als die Menschen sind. Ihre Form der Kommunikation per Farbbändern, die um ihre Köpfe laufen, kann entschlüsselt werden und eine interstellare Kommunikation wird aufgebaut.

Die Menschheit unter dem Diktator Nakamura indes droht den Lebensraum der Außerirdischen ebenfalls zu überfallen und mit Krieg zu überziehen.

Da zieht die übergeordnete Intelligenz, in dessen Auftrag des Raumschiff unterwegs ist, die Reißleine. Tiefschlaf bringt den Krieg zum Stillstand, die Passagiere in den Nodus. Es ist fraglich, ob Nicole in ihrem hohen Alter diesen letzten Teil der Reise überleben wird.

Im Nodus dann kulminieren die geschickt ausgelegten Plots von Clarke und Lee. Hier geht es noch mal ans Eingemachte bei den großen Fragen (sogar mit etwas Humor der beiden Autoren: „Bedeutet der Sinn des Lebens nicht mehr 42?“, fragt sich Nicole da unter anderem), was Familie und Freunde in unserem Leben ausmachen und womit wir interstellarem Rassismus begegnen können. Außerdem geht es aber wohl auch um die Frage, was Gott eigentlich ist -und welchen Stellenwert die Menschheit, aber auch jeder einzelne Mensch als Individuum in seiner Schöpfung ausmacht. Es geht aber nicht nur um den Sinn des Lebens, sondern auch um den Tod. Den Abschied von den eigenen Kindern, vom eigenen Leben.

Jetzt werde ich am Ende doch noch pathetisch und schaffe damit nicht, was Clarke und Lee schaffen: nämlich bis zur letzten Seite eine plastische und stringente Geschichte zu erzählen von etwas Wahnsinnigem, dass eigentlich unser Bewusstsein gar nicht greifen kann.

Ich habe es neulich schon einmal geschrieben: „Wenn es am Ende des Buches schwer wird, von den Helden Abschied zu nehmen, dann hat der Autor alles richtig gemacht.“ – Beim Abschied von Nicole des Jardins hatte ich Tränen in den Augen. Immerhin kenne ich sie ihr Leben lang, bin mit ihr durch Raum und Zeit gefahren und habe die unglaublichsten Dinge gesehen und erlebt, die man sich vorstellen kann.

„Nichts wird sich durch meinen Tod verändern, dachte Nicole. Es wird nur zwei Augen weniger geben, die dieses Wunder bestaunen. Und eine Ansammlung von chemischen Zusammensetzungen weniger, die ausreichend Bewußtsein entwickeln konnten, sich verwundert zu fragen, was das Ganze bedeuten soll.“

Nodus, S. 634

Fazit

Ein grandioses Buch haben Clarke und Lee abgeliefert, dass zurecht zu den großen Klassikern der gehört. Auf einer fantastischen Reise durch das Universum werden Fragen aufgeworfen, die tief in die Natur des Menschen führen.

Über das Buch Nodus

Nodus (Rama IV) - Arthur C. Clarke und Gentry Lee - Buchcover
Nodus (Rama IV) – Arthur C. Clarke und Gentry Lee – Buchcover

Bei Heyne in der Allgemeinen Reihe unter der Nummer 01/9724 erschien die Deutsche Erstausgabe von „Rama Revealed“ (Victor Gollancz, London 1993) im Jahr 1996. Die Übersetzung besorgte erneut der begnadete Roland Fleissner. Der Eindruck von seiner Arbeit wird durch einige Rechtschreibfehler getrübt. Die ISBN des 666 Seiten starken Paperbacks lautet 3-453-09247-3.

Klappentext

Ein großartiges Finale!
Endlich wird das Geheimnis von Rama gelüftet. Das riesige Raumschiff ist ein Testgelände, in dem junge raumfahrende Rassen geprüft werden, ob sie reif sind, in die Gemeinschaft der intergalaktischen Spezies aufgenommen zu werden. – Die meisten Menschen schneiden bei dieser Prüfung schlecht ab. Sie werden als aggressiv, unbelehrbar und rassistisch eingestuft. – Nur wenige dürfen den Nodus bei Tau Ceti betreten, den der Schöpfer des Universums für die Vielfalt seiner Kraturen eingerichtet hat.
Ein atemberaubender SF-Thriller vom weltberühmten Autorenteam Arthur C. Clarke und Gentry Lee, mit dem der vierteilige Rama-Zyklus seinen packenden Abschluß findet.

Auf einer der Vorsatzseiten findet sich noch dieser kurze Text:

Wegen Verrats zum Tode verurteilt, steht Nicole in der galaktischen Kolonie die Hinrichtung bevor. Im letzten Moment kann sie den Schergen der grausamen Diktatur entkommen und zur Erde zurückkehren. Doch ihre Peiniger geben nicht auf. Ein packender SF-Thriller!

Über die Autoren Arthur C. Clarke und Gentry Lee

Am 16. Dezember wurde Sir Arthur Charles Clarke in Minehead, Somerset im schönen England geboren. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet Clarke als Ground Controlled Approach bei der Royal Air Force. Sehr sympathisch. Er gehörte wohl zu der Erprobungsmannschaft, die die neuartige Technik in Dienst stellten. Sein „Glide Path“ basiert auf diesen Erfahrungen.

Arthur C. Clarke in Colombo, Sri Lanka. Foto: Amy Marash/Public Domain
Arthur C. Clarke in Colombo, Sri Lanka. Foto: Amy Marash/Public Domain

Nach dem Krieg studiert er Mathematik und Physik, interessiert sich für die Möglichkeiten der und zieht Mitte der Fünfziger Jahre nach Sri Lanka, wo er am 19. März 2008 in Colombo auch stirbt. Er zählt neben Robert A. Heinlein und Isaac Asimov zu den Big Three der englischsprachigen Science Fiction.

Neben dem Rama-Zyklus gilt der vierteilige Odyssey-Zyklus (2001 – A Space Odyssey, 2010 – Odyssey Two, 2061 – Odyssey Three und 3001 – The Final Odyssey) zu seinen Hauptwerken.

Neben seiner Arbeit als Phantastik-Arbeit widmete er sich auch ganz banaler wissenschaftlicher Arbeit und rechnete zum Beispiel die Orbitalparameter für geostationäre Satelliten durch. 1945 erscheint sein Aufsatz „Extra-terrestrial Relays – Can Rocket Stations Give World-wide Radio Coverage?“, 19 Jahre später fliegt mit Syncom 3 der erste geostationäre Satellit um die Erde – im seitdem „Clarke Belt“ genannten Orbit.

Clarke sagte die Fähigkeiten des modernen Internets voraus, beschrieb 1979 einen Weltraum-Lift und ging mit den drei „Clarkeschen Gesetzen“ in die Science-Fiction-Geschichte ein:

When a distinguished but elderly scientist states that something is possible, he is almost certainly right. When he states that something is impossible, he is very probably wrong.

The only way of discovering the limits of the possible is to venture a little way past them into the impossible.

Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.

Hin und wieder wird auch ein viertes Gesetz auf ihn zurückgeführt („For every expert there is an equal and opposite expert.“

Dazu kommt sein Gesetz über die revolutionären Ideen: „Every revolutionary idea — in science, politics, art, or whatever — seems to evoke three stages of reaction. They may be summed up by the phrases:

„It’s completely impossible — don’t waste my time“

„It’s possible, but it’s not worth doing“

„I said it was a good idea all along.“

Arthur C. Clarkes Werke erhielten zahlreiche Preise, darunter den Hugo-, Nebula-, Locus- und John-W.-Campbell-Award for Best Science Fiction Novel.

Gentry Lee, photo: NASA/JPL, Public Domain
Gentry Lee, photo: NASA/JPL, Public Domain

Gentry Lee ist der Wissenschaftler, der zum Schriftsteller wurde. Geboren 1942 wurde Lee 1977 am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, Kalifornien, zum leitenden Ingenieur des Galileo-Projekts berufen. Die Sonde erreichte 1995 den Jupiter. Mit Carl Sagan entwickelte er eine populärwissenschaftliche TV-Show. 1988 ließ er sich zum Schreiben beurlauben, blieb aber wissenschaftlicher Berater der NASA.

Mit Clarke zusammen arbeitete er an drei Fortsetzungen des 1972 erschienenen Original-Rama-Romans: „Rendezvous with Rama“ (Rendezvous mit Übermorgen, 1991, OT: Rama II; Die nächste Begegnung, 1992, OT: The Garden of Rama; Nodus,1996, OT: Rama Revealed). Danach gab er noch zwei eigene Werke heraus, die im Rama-Universum angesiedelt sind (Boten des Lichts, 1997, OT: Bright Messengers und den nichts ins Deutsche übersetzten Roman Double Full Moon Night, 1999).

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