Fred Sellin – Wenn der Vater mit dem Sohn

Wenn der Vater mit dem Sohn - Buchcover - Fred Sellin

„Wenn der Vater mit dem Sohn – Unsere Wanderung durch Deutschlands unbekannte Mitte“ hat der Autor und Journalist Fred Sellin die einer siebenwöchigen Wanderung entlang der ehemaligen innerdeutschen im Sommer 2008 mit seinem Sohn Robin genannt.

Nicht nur ein road movie in Buchform, sondern auch die Geschichte einer großen Liebe. Die Liebe eines Vaters für seinen Sohn – und damit auch die Geschichte eines Abschieds vom Sohn, der demnächst das väterliche Nest verlässt, um in den Vereinigten Staaten zu studieren. Vielleicht ist das ja die Parabel des Buches: auf der einen Seite geht es um die überwundene Trennung eines Landes, die Wiedervereinigung – auf der anderen Seite schweißt sich das Vater-Sohn-Duo auf dem Gewaltmarsch mächtig zusammen, nur um der anschließenden Trennung über einen Ozean hinweg ins Auge zu blicken. Spannend ist das auf jeden Fall.

Die Schilderung der Tagesetappen bleibt über 1400 Kilometer amüsant und kurzweilig. Sellin gelingt es, keinen Reiseführer zu schreiben – dennoch kommen die Anekdoten am Wegesrand nicht zu kurz, die als Hintergrundwissen für die Wanderung taugen. Dazu kommen immer wieder kleine Portraits von Menschen, von Dörfern, von Orten, die in dieser Form wohl nie ein Tourist genau so wiederfinden kann. Das Handwerkszeug des Journalisten sitzt, und das merkt man dem Buch in jeder Zeile an.

Und auch, wenn das Motiv nicht einmal im Buch angesprochen wird: ein wenig habe ich beim Lesen auch darüber nachgedacht, welche Parallelen in der inneren Entwicklung der beiden Protagonisten zu erkennen sind, die man sonst nur von Schilderungen des Jakobsweges in Richtung Santiago de Compostela kennt. Denn auch der Marsch entlang der Grenze hat offenbar etwas mit den beiden Männern gemacht.

Fazit

Ein emotionales, bildhaftes, spannendes und lehrreiches Buch über einen Trip, den wohl die wenigsten von uns nachlaufen werden – auch wenn sie das gern wollten.

Über das Buch

Wenn der Vater mit dem Sohn - Buchcover - Fred Sellin
Wenn der Vater mit dem Sohn – Buchcover – Fred Sellin

Auf 320 Seiten erzählt Fred Sellin die Geschichte der Wanderung. „Wenn der Vater mit dem Sohn – Unsere Wanderung durch Deutschlands unbekannte Mitte“, dass die ISBN 978-3-89029-363-9 trägt, erschien 2009 bei Malik unter dem Dach des Piper Verlag München. In dem Hardcover mit Schutzumschlag gibt es neben dem praktischen Lesezeichenbändchen auch vorn und und hinten eine Karte der Wanderung mit den Stationen des Weges.

Beim Googlen zum Buch bin ich auch auf weitere Wanderliteratur gestoßen: unter anderem auf den Schrittler, der 2013 schon einmal auf das Buch von Fred Sellin hingewiesen hat.

Klappentext

1400 Kilometer zu Fuss entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze: Fred Sellin erzählt von seiner siebenwöchigen Wanderung mit Sohn Robin – einer Wanderung durch unbekanntes Heimatland. Vorbei an verfallenden Grenzbauten, ehemaligen Stasi-Agentenschleusen, verwunschenen Klosteranlagen, düsteren Burgruinen und entvölkerten Orten, durch idyllische Täler und auf überwucherten Wegen erleben die beiden deutsche Mentalitäten und Landschaften. Ihre Reise wird ein großes spontanes Abenteuer zu zweit, bei dem Vater und Sohn sich immer wieder gegenseitig überraschen und neu kennenlernen.

Über den Autor

Fred Sellin stammt aus der Lutherstadt – und begann hier seine schreibende Karriere schon als Schüler für die Lokalzeitung. Kommt mir irgendwie bekannt vor 😉

Sein Sohn Robin ist offenbar aus den USA zurückgekehrt und hat sich der Musik gewidmet. Auch im Buch kommt ja hin und wieder seine Gitarre zu Wort. Reinhören kann man unter anderem auf der Webseite seiner Band Nature in the City.

Im Buch selbst stellt sich Fred Sellin auf dem hinteren Schutzumschlag vor:

Fred Sellin, 1964 in Wittenberg geboren, studierte in Leipzig Journalistik. 1990 zog er mit seiner Familie nach Köln. Er war Redakteur und Reporter bei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen. Heute lebt er mit seinem Sohn Robin, Jahrgang 1987, als freier Autor in Hamburg. Er veröffentlichte Biografien über Heinz Rühmann und Boris Becker und zuletzt das Enthüllungsbuch »Notaufnahme. Alltag zwischen Leben und Tod«.

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