Flug in den Weltraum – Hans Dominik

Flug in den Weltraum - Hans Dominik - Buchcover

Flug in den Weltraum von beschreibt ein Wettrennen der Nationen bei dem Versuch, nukleare Strahlung als Antriebsquelle für Luft- und Raumfahrzeuge einzusetzen. Der Roman ist ursprünglich 1939/40 unter dem Titel „Treibstoff SR“ bei August Scherl in Berlin erschienen und ist damit der letzte der großen utopisch-technischen Romane des Meisters.

In einem Labor in geht ein Experiment schief. Eine Mischung radioaktiver Massen fliegt buchstäblich in die Luft – und geht im Atlantik nieder. Wenig später folgt ein weiteres Unglück. Ein drittes Missgeschick sendet weitere strahlende Materie auf die Flugreise nach Westen. In Amerika gibt es zeitgleich ein seltsames Fischsterben. Zwei Forscher stoßen beim Picknick auf seltsames Material, dass je nach Drehrichtung unterschiedlich Gewichtskraft besitzt. Und schließlich kollabiert der Hoover-Damm, weil auf ihm stark strahlendes Material niedergeht und die Strahlung die Strukturen des Betons angreift.

Allen seltsamen Begebenheiten gemein ist die Tatsache, dass sie von dem deutschen Strahlstoff ausgelöst werden. In Amerika beginnt sofort eine Forschertruppe damit, den unbekannten Stoff unter die Lupe zu nehmen. Und die beiden japanischen Gastwissenschaftler, die sich in dem deutschen Werk zu Forschungszwecken aufhalten, reisen auch wieder in ihre Heimat zurück, um weiter an der deutschen Entdeckung zu forschen.

Gelinde gesagt exotisch mutet es für einen Leser im Jahr 2019 natürlich an, wenn da die ganze Zeit Forscher völlig hemdsärmelig mit nuklearen Strahlen hantieren. Ein bisschen Bleischürze hier, ein wenig Ummantelung dort – und schwupps geht die Probefahrt über Mitteleuropa los.

In Japan fliegt derweilen das unterirdische Labor von Professor Hidetawa in die Luft, die Kernschmelze bringt einen neuen Vulkan zum Ausbruch. Aber: was soll’s? Die Söhne Nippons sind ja an ständige Erdbeben gewöhnt. Alles halb so wild! Und nach dem Verlöschen des Atomfeuers richtet man die neue Werkstatt aus Bequemlichkeitsgründen wieder auf dem gleichen Grundstück ein. Klingt strange, oder? Aber nur, weil wir Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima kennen.

Die Startaufstellung des „Flug in den Weltraum“ ist jedenfalls gesetzt: Deutschland, USA, Japan. Später betritt noch Großbritannien den Reigen der wissenschaftlichen Wettlaufriege. Die Deutschen und Japaner konzentrieren sich darauf, eine Strahlrakete zu bauen, mit der man auch in den Weltraum starten kann. Die Amerikaner, die bei den Forschungen zu einer Super-Turbine mit dem neuen Strahlen-Treibstoff ins Hintertreffen geraten, bauen ein Verkehrsflugzeug mit dem neuartigen Antrieb, dass die Erde auf dem 38. Breitengrad in vier Stunden und zehn Minuten umrunden kann.

Aber Hans Dominik wäre nicht Hans Dominik, wenn unterwegs nicht eine Menge spannende Dinge schiefgehen würden – und ohne, dass der Leser etwas lernt. Ähnlich verdutzt wie die Journalisten an Bord des amerikanischen Flugzeugs ist der Leser nämlich, wenn plötzlich flugbedingt im Westen die Sonne aufgeht und der Reisende von Donnerstag zu Mittwoch „springt“.

Genau so springt der Leser permanent durch die Perspektiven des Dominikschen Plots. Wir begleiten sogar in einer Art kurzem Protokollausflug die Briten bei der ersten Mondlandung – mit katastrophalen Folgen. Und natürlich geht auch der Jungfernflug der Amerikaner – standesgemäß mit viel Presse an Bord – gehörig schief. Aber keine Sorge. Rettung naht! Der Wissenschaftlerkodex im 1940er Dominikschen Literaturkosmos straft die Realität seiner Zeit Lügen.

Fazit

Vom handwerklichen Geschick, vom Aufrechthalten der Spannungskurve ist „Flug in den Weltraum“ eines der besten Bücher, die ich von Hans Dominik bisher gelesen habe. Mit ungewollt merkwürdigen Blicken auf die Kernenergie liest sich der Roman heute wahrscheinlich mit deutlich anderen Augen als 1940.

Über das Buch Flug in den Weltraum

Flug in den Weltraum - Hans Dominik - Buchcover
Flug in den Weltraum – Hans Dominik – Buchcover

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges ist „Treibstoff SR“ erstmals bei August Scherl in Berlin erschienen. Nach dem Krieg erschienen dann Fassungen unter dem Titel „Flug in den Weltenraum“ oder „Fahrt in den Weltraum“.

Mein Hardcover-Exemplar von 1995 ist vom Weltbild-Verlag, umfasst 294 Seiten und ist unter der Redaktion von Wolfgang Jeschke unter der ISBN 3893508570 erschienen. Das Cover trägt die Handschrift von Adolf Bachmann und Dave Archer.

Im Phantastischen Bücherschrank habe ich außerdem meine Leseeindrücke der drei Romane „Der Wettflug der Nationen“, „Ein Stern fiel vom Himmel“ und „Land aus Feuer und Wasser“ zusammengefasst.

Eine Gesamtausgabe von Hans Dominik ist als Kindle-Ebook für insgesamt unglaubliche 99 Cent verfügbar.

Klappentext

Ein alter Traum der Menschheit, der Flug in den Weltraum, wird in diesem dramatisch bewegten Zukunftsroman Wirklichkeit.
Drei verschiedene Gruppen von Wissenschaftlern und Technikern, eine amerikansiche, eine europäische und eine asiatische, nehmen unabhängig voneinander in einem grandiosen Wettstreit die ungeheure Aufgabe, ein Weltraumschiff zu bauen und damit in kosmische Räume vorzudringen, in Angriff. Sie bedienen sich dabei der Atomenergie, stoßen aber auf unvorhergesehene Widerstände, da die Natur sich nicht kampflos ihre Geheimnisse entreißen läßt.
Endlich beschließen sie, ihre Erfahrungen und ihr Wissen zusammenzulegen und mit vereinten Kräften weiterzuarbeiten. Gemeinsam erringen sie den Sieg über die Erdenschwere. Nach gefahrvollen Versuchsfahrten gelingt es, mit einer Strahlrakete in den Weltraum aufzusteigen.
Hans Dominik hat hier in prophetischer Schau ein Hochziel der Technik vorausgenommen, das nach Ansicht der Wissenschaft noch in diesem Jahrhundert erreicht werden wird. Sein Buch zeigt in überzeugender Weise, wie gerade der nüchterne Techniker der Phantasie bedarf, wenn er dem Fortschritt der Menschheit dienen will.
Gesamtauflage der Dominikbände über 3 Millionen Exemplare!

Über den Autor Hans Dominik

Hans (Joachim) Dominik wurde am 15. November 1872 in Zwickau geboren. Sein Vater war Verleger und Journalist. Schon in Hans’ jungen Jahren geht die Familie nach Berlin – besuchte aber unter anderem das Gymnasium Ernestinum in Gotha. Dort lehrte zur gleichen Zeit Kurd Laßwitz Mathematik und Physik. Der große Wegbereiter der deutschen Science-Fiction-Literatur scheint großen Einfluss auf Hans gehabt zu haben. Einen Teil seiner Literatur ließ er bei Hans’ Vater veröffentlichen.

Ein 1893 begonnenes Studium an der TH Berlin (Maschinenbau, Schwerpunkt Eisenbahntechnik) muss unterbrochen werden, da aufgrund einer Krankheit des Vaters sich der Sohn auf eigene wirtschaftliche Füße stellen muss. Hans Dominik arbeitet als Elektriker im Rheinland. 1895 tritt er eine erste Reise nach Amerika an, wo er seinen Lebensunterhalt als Elektroingenieur verdient.

Nach seiner Rückkehr arbeitet er bei Siemens & Halske, bevor er 1905 technischer Lokalreporter beim Berliner Lokal-Anzeiger wird.

Durch ein Rückenleiden blieb Dominik vom Militärdienst im Ersten Weltkrieg verschont. Seit 1907 schreibt er utopische Geschichten. Den „Durchbruch“ erzielt er 1922 mit „Die Macht der Drei“. Danach folgt Erfolg auf Erfolg. In der Nachkriegszeit landen manche Werke in der DDR auf der Liste auszusondernder Literatur, in Westdeutschland erscheinen Neuauflagen, die teilweise drastisch überarbeitet und gekürzt wurden. Ultimo Münster widmet sich in der Rezension der 1997 bei erschienen Gesamtwerk-Ausgabe dieses Themas.

Hans Dominik stirbt im Dezember 1945 in Berlin. Sein Grab liegt auf dem Friedhof in Zehlendorf (Feld 009-83). An seinem Wohnhaus in der Zeit von 1908 bis 1945 in der Bogotástraße 2a (ehemals Herderstraße) wurde 1999 eine Gedenktafel angebracht.

Eine ausführlichere Biografie von Hans Dominik gibt es bei Heribert Severing.

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