Die nächste Begegnung (Rama III) – Arthur C. Clarke und Gentry Lee

Die nächste Begegnung - Arthur C. Clarke und Gentry Lee - Buchcover

„Die nächste Begegnung“, der dritte Band im -Zyklus von und , ist eine Art Roadmovie im Weltallt, dass uns endlich näher an die Außerirdischen und ihre Ziele heranführt – und dabei der Menschheit einem Test unterzieht.

Richard Wakefield, Nicole des Jardins und Michael O’Toole, Kosmonauten der Erkundungsmission des zweiten Bandes, sind im zweiten Rama-Schiff unterwegs in den interstellaren Raum.

Nicole bekommt auf der langen Reise Kinder. Ihrer ersten Tochter Simone steht eine schwere Geburt bevor. Sie ist ein sogenanntes Sternengucker-Kind. Mit ihrem Mann Richard bekommt Nicole ihre zweite Tochter Katie.

Die moralische Frage taucht auf: Wie kann die Begründung einer neuen Zivilisation funktionieren, ohne die genetische Divergenz zu vernachlässigen. Ganz praktisch stellt sich die Frage: kann Nicole einen Sohn von Michael haben?

Rama II beschleunigt unterdessen auf annähernd halbe Lichtgeschwindigkeit in Richtung Sirius.

Im moralischen Konflikt verschwindet Richard für drei Jahre, taucht im Koma wieder auf und braucht Zeit, wieder er selbst zu werden. Unterdessen hat Nicole mit Michael zwei Söhne gezeugt: Benjy ist geistig behindert, Patrick ist normal entwickelt. Nachdem Richard wieder auftaucht, bekommt er mit Nicole die jüngste Tochter Ellie.

Dreizehn Jahre später hat Rama seinen Zielpunkt erreicht. Die drei Kosmonauten verlassen mit fünf Kindern den Zylinder und entdecken den Nodus. Drei Kugeln sind im Dreieck miteinander angeordnet: Wohnen, Forschen, Verwalten.

Rama unterdessen wird in einem riesigen Hangar umgebaut für den „Heimflug“ ins Sonnensystem, um 2000 neue Menschen abzuholen. Der Atem stockt beim Anblick der riesigen Dimensionen: so muss sich Douglas Adams die Werfthallen von Magrathea vorgestellt haben.

Die Familie wird zerrissen: die älteste Tochter Simone und Michael bleiben im Nodus. Überhaupt beschäftigen sich Clarke und Lee viel mit Abschieden im dritten Rama-Band – und, für mich überraschend: mit der weiblichen Perspektive auf die Probleme der menschlichen Existenz. Die kenne ich im SF-Umfeld sonst eigentlich nur aus der Feder von Ursula K. LeGuin und meiner Lieblingsauthorin Becky Chambers.

Die Familie macht sich auf den Rückweg ins Solarsystem. Aber der erste Schatten fällt schon auf die Mission, als die Internationale Raumfahrtagentur versucht, sie mit einer Lüge umzusetzen. Die Menschen – unter ihnen Freiwillige und Strafgefangene – die sich in der Santa Maria, Nina und Pinta auf den Weg machen, glauben zuerst, für fünf Jahre den Mars erneut zu kolonisieren.

Der bunt gewürfelte Haufen, der in Rama einzieht und die Änderung der Pläne achselzuckend aufnimmt, bringt damit auch alle Probleme mit, die das Zusammenleben auf der Erde überschatten.

Mit unzureichendem Verständnis der ramanischen Technologie setzen sich wirtschaftliche Interessen durch und Forscher versuchen, das „Weltklima“ zu überlisten. Ein japanischer Obergangster gründet seinen eigenen Rotlicht-Distrikt. Als die Menschen das Nachbar-Habitat anbohren und dort „Leggies“ herauskommen, wird vom Paramilitär scharf geschossen – und der Ruf nach Erhöhung der Verteidigungsausgaben laut. Und über allem schwebt das RV-41, ein Virus, dass bei seinen Wirten zu einem schnellen Herztod führt.

Was sollen die Ramaner nur denken über diesen Haufen von Egoisten, Unmoralisten und Wissenschaftsleugnern?

Als der Mafioso die Macht in New Eden an sich reißt, macht sich Richard auf den Weg, um von dort zu verschwinden. Er trifft dabei im Nachbarhabitat eine unglaubliche Lebensform-Symbiose, die sich hilfesuchend an ihn wendet, als die Menschen von New Eden ein Massaker, einen ganzen Krieg, gegen die Fremden beginnen. Nicole landet unterdessen im Gefängnis und wartet auf den Tod auf dem elektrischen Stuhl.

Wo soll das alles noch hinführen? Eigentlich könnte man das ganze Buch subsumieren unter dem folgenden Dialog zwischen Richard und Nicole:

„»Warum sollte ich es sein? Nichts von dem, was ich hier in New Eden oder auf der Erde gesehen habe, legt mir den zwingenden Schluss nahe, dass die Menschheit jemals zu einem harmonischen Miteinander fähig sein wird, ganz zu schweigen von einem friedlichen harmonischen Leben mit irgendwelchen anderen Lebewesen. Ab und zu gibt es mal eine Einzelperson — vielleicht sogar eine Gruppe, die es fertigbringt, über die fundamentalen genetischen und environ-mentalistischen Beschränktheiten unserer Spezies hinauszuwachsen … Aber das sind dann Wunderwesen, ganz bestimmt nicht die Normaltypen. «
»Ich kann dir da nicht zustimmen«, sagte Nicole leise. »Dein Standpunkt ist mir zu pessimistisch. Ich glaube, die meisten Menschen sehnen sich verzweifelt nach dieser Harmonie. Wir wissen nur einfach nicht, wie wir es anstellen sollen, sie zu erreichen. Und deshalb ist mehr und bessere Erziehung so nötig. Und mehr gute Vorbilder.«

aus „Die nächste Begegnung“, Rama III, Arthur C. Clarke und Gentry Lee

Fazit:

Die nächste Begegnung ist für mich der bislang stärkste Band der Rama-Reihe. Während Rama I nicht viel über den Umfang einer Novelle hinausging und Rama II sich ganz viel mit zwischenmenschlicher Problematik der kleinen Gruppe von Kosmonauten auseinandersetzte bringt Rama III eine gute Mischung aus unglaublicher Raumflug-Erfahrung mit gesellschaftlicher Diskussion und erneut sehr plastischen Charakteren.

Über das Buch Die nächste Begegnung

Die nächste Begegnung - Arthur C. Clarke und Gentry Lee - Buchcover
Die nächste Begegnung – Arthur C. Clarke und Gentry Lee – Buchcover

Der Wilhelm Heyne Verlag aus München hat sich 1992 zur Verfügung gestellt, die Geschichte auf den Markt zu bringen. Roland Fleissner übersetzte das Original, das unter dem Titel „Garden Of Rama“ ein Jahr zuvor im englischsprachigen Raum erschienen war. Die ISBN des 571 Seiten starken Paperback lautet 3-453-05668-X, die Heyne-Nummer für die Allgemeine Reihe lautet 01/8452.

Klappentext

Götterdämmerung im Weltall. Eine übermächtige Intelligenz beherrscht die Galaxis. Sie schickt ihre automatischen Schiffe aus, um Spezies, die im Begriff sind, die Schwelle zum Weltraum zu überschreiten, auf ihre Tauglichkeit für die interstellare Gemeinschaft zu überprüfen. Diesmal ist es die menschliche Rasse, die getestet wird. Ihr Abschneiden ist katastrophal. Sie erweist sich als arrogant und aggressiv. Wird ihr der Raum verschlossen bleiben? Wird sie gar ausgelöscht werden, weil sie gemeingefährlich ist?

Über die Autoren Arthur C. Clarke und Gentry Lee

Am 16. Dezember wurde Sir Arthur Charles Clarke in Minehead, Somerset im schönen England geboren. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet Clarke als Ground Controlled Approach bei der Royal Air Force. Sehr sympathisch. Er gehörte wohl zu der Erprobungsmannschaft, die die neuartige Technik in Dienst stellten. Sein „Glide Path“ basiert auf diesen Erfahrungen.

Arthur C. Clarke in Colombo, Sri Lanka. Foto: Amy Marash/Public Domain
Arthur C. Clarke in Colombo, Sri Lanka. Foto: Amy Marash/Public Domain

Nach dem Krieg studiert er Mathematik und Physik, interessiert sich für die Möglichkeiten der und zieht Mitte der Fünfziger Jahre nach Sri Lanka, wo er am 19. März 2008 in Colombo auch stirbt. Er zählt neben Robert A. Heinlein und Isaac Asimov zu den Big Three der englischsprachigen .

Neben dem Rama-Zyklus gilt der vierteilige Odyssey-Zyklus (2001 – A Space Odyssey, 2010 – Odyssey Two, 2061 – Odyssey Three und 3001 – The Final Odyssey) zu seinen Hauptwerken.

Neben seiner Arbeit als Phantastik-Arbeit widmete er sich auch ganz banaler wissenschaftlicher Arbeit und rechnete zum Beispiel die Orbitalparameter für geostationäre Satelliten durch. 1945 erscheint sein Aufsatz „Extra-terrestrial Relays – Can Rocket Stations Give World-wide Radio Coverage?“, 19 Jahre später fliegt mit Syncom 3 der erste geostationäre Satellit um die Erde – im seitdem „Clarke Belt“ genannten Orbit.

Clarke sagte die Fähigkeiten des modernen Internets voraus, beschrieb 1979 einen Weltraum-Lift und ging mit den drei „Clarkeschen Gesetzen“ in die Science-Fiction-Geschichte ein:

When a distinguished but elderly scientist states that something is possible, he is almost certainly right. When he states that something is impossible, he is very probably wrong.

The only way of discovering the limits of the possible is to venture a little way past them into the impossible.

Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.

Hin und wieder wird auch ein viertes Gesetz auf ihn zurückgeführt („For every expert there is an equal and opposite expert.“

Dazu kommt sein Gesetz über die revolutionären Ideen: „Every revolutionary idea — in science, politics, art, or whatever — seems to evoke three stages of reaction. They may be summed up by the phrases:

„It’s completely impossible — don’t waste my time“

„It’s possible, but it’s not worth doing“

„I said it was a good idea all along.“

Arthur C. Clarkes Werke erhielten zahlreiche Preise, darunter den Hugo-, Nebula-, Locus- und John-W.-Campbell-Award for Best Science Fiction Novel.

Gentry Lee, photo: NASA/JPL, Public Domain
Gentry Lee, photo: NASA/JPL, Public Domain

Gentry Lee ist der Wissenschaftler, der zum Schriftsteller wurde. Geboren 1942 wurde Lee 1977 am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, Kalifornien, zum leitenden Ingenieur des Galileo-Projekts berufen. Die Sonde erreichte 1995 den Jupiter. Mit Carl Sagan entwickelte er eine populärwissenschaftliche TV-Show. 1988 ließ er sich zum Schreiben beurlauben, blieb aber wissenschaftlicher Berater der NASA.

Mit Clarke zusammen arbeitete er an drei Fortsetzungen des 1972 erschienenen Original-Rama-Romans: „Rendezvous with Rama“ (Rendezvous mit Übermorgen, 1991, OT: Rama II; Die nächste Begegnung, 1992, OT: The Garden of Rama; Nodus,1996, OT: Rama Revealed). Danach gab er noch zwei eigene Werke heraus, die im Rama-Universum angesiedelt sind (Boten des Lichts, 1997, OT: Bright Messengers und den nichts ins Deutsche übersetzten Roman Double Full Moon Night, 1999).

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