Der Tag, an dem die Sonne verschwand – Jürgen Domian

Der Tag, an dem die Sonne verschwand - Jürgen Domian - Foto: plainpicture/wildcard

Von einer Sekunde auf die nächste ändert sich für den Fotografen Lorenz seine gesamte Welt. In Der Tag, an dem die Sonne verschwand, begleiten wir den Ich-Erzähler auf seinen Tagebuch-Seiten, die er führt, um nicht verrückt zu werden. Alle Menschen sind plötzlich verschwunden, nur die Toten sind noch da.

Aber nicht nur das: alle Tiere sind weg. Und die Sonne zieht sich hinter dichte Wolken zurück. Mitten im Sommer beginnt es zu schneien. Wo eben noch ein Jahrhundertsommer mit über 40 Grad Celsius war, etabliert sich eine stabile Großwetterlage mit ergiebigen Schneefällen und elf Grad Celsius unter Null. Dazu kommt Dunkelheit.

Was wie ein „Tag-X-Szenario“ für Prepper beginnt, entwickelt sich zur Psycho-Falle für Lorenz. Seinem Tagebuch vertraut er an, wie sich die Liebesgeschichte zu seiner großen Liebe Marie entwickelte, die er vor geraumer Zeit durch einen Unfall verlor.

Lorenz hat sich in dieser Beziehung nicht mit Ruhm bekleckert: Egoismus, Desinteresse, Fremdgehen…das volle Programm. Sie dagegen ist perfekt, fast engelsgleich. Sollte die dunkle Eishölle, in der er jetzt steckt, ein Purgatorium, ja, vielleicht sogar ein Dantescher Eishöllenring sein?

Der offenbar letzte Mensch auf der Erde geht so weit, dass er sich buchstäblich zum Sterben niederlegen möchte – auf das Grab seiner Marie. Und wie sich das für eine gute Robinsonade gehört, taucht sogar ein Freitag auf. Der heißt Finn – und tritt an Lorenz’ Seite, um ans philosophische Eingemachte zu gehen: Was ist eigentlich Liebe? GIbt es nur die sexuell aufgeladene? Oder gibt es auch eine Freundschaft, die zu Liebe wird? Was davon ist Dankbarkeit? Und wie viel Nähe darf diese zulassen? Eros, Agape, Philia (kenne ich bis zum Erbrechen aus Die Stufen der Liebe von Rupert Martell)

Die Beziehung zu Finn läuft übrigens schon wesentlich besser als die zu Marie – bis…

Ja. Wenn ist jetzt weiterschreibe, dann würde ich zu viel verraten.

Nur so viel: Ich habe das Buch (mal wieder) vor lauter Spannung an einem Tag ausgelesen. Und wenn ich den Klappentext richtig interpretiere, hat das nächste Büchlein auf der Leseliste eine ähnliche Rahmenhandlung: Antje Wagner lässt in ihrem Jugendbuch Vakuum auch die Menschen verschwinden.

Fazit

Gänsehaut-Story trifft auf tiefgehende Beziehungspsychologie. Für mich passt der Mix, da mich beide Themen interessieren. Handwerklich leistet sich Jürgen Domian keine Schwächen. Ich werde auf jeden Fall Ausschau halten nach weiteren Büchern von ihm.

Über das Buch Der Tag, an dem die Sonne verschwand

Der Tag, an dem die Sonne verschwand - Jürgen Domian - Foto: plainpicture/wildcard
Der Tag, an dem die Sonne verschwand – Jürgen Domian – Foto: plainpicture/wildcard

Unter der ISBN 978-3-453-40536-3 ist Der Tag, an dem die Sonne verschwand im Jahr 2008 bei Heyne erschienen. Auf 286 Seiten breitet Jürgen Domian die Tagebucheinträge von Lorenz aus. Bei der Verlagsgruppe Random House gibt es ein Interview mit Jürgen Domian zum Buch.

Klappentext

Über Europa liegt seit Wochen ein Hitzehoch. Es ist Juli. Die Temperaturen erreichen bis 41 Grad. In den Mittagsstunden passiert das Unfassbare: Der Himmel verdunkelt sich, ein Orkan mit Regen und Hagel zieht auf und das Thermometer sackt fast bis auf null Grad ab. Dann beginnt es zu schneien und schon am Nachmittag ist es stockfinster. Wie gebannt verfolgt Lorenz vom Fenster seiner Dachgeschosswohnung aus das Geschehen. Als er Stunden später das Haus verläßt, stellt er mit Grauen fest, dass alle Menschen verschwunden sind. Ist er der letzte Mensch auf Erden?

Über den Autor Jürgen Domian

Wer kennt ihn nicht: Domian? Der Mann, der die Nächte hindurch Talkshow gemacht hat. Jürgen Domian wurde 1957 in Gummersbach geboren. Über die ARD landete er 1995 beim WDR, wo er in TV und Radio die Sendung „Domian“ produzierte, für die er 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Der Tag, an dem die Sonne verschwand, ist sein Roman-Debut. Weiter Bücher folgten.

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