Camp Concentration – Thomas M. Disch

Camp Concentration - Thomas M. Disch - Buchcover

Louis Sacchetti ist Kriegsdienstverweiger in den der späten 1960er Jahre. Das bringt ihn ins – und von dort wird er verlegt in ein anderes Verlies, tief unter den Rocky Mountains. Hier soll er Tagebuch führen über die grauenhafte Behandlung, die an den Gefangenen vollzogen wird.

Wenn Sacchetti auch schon am Anfang eher ein altkluger und moralisierender Mensch ist, so wird er im Verlauf des Buches nicht unbedingt sympathischer – auch trotz der gruseligen Behandlung, der er buchstäblich unterliegt. Die Insassen des Konzentrationslagers Archimedes werden mit Pallidin infiziert – das in seiner Wirkung stark an die Syphillis erinnert. Mit jedem Tag werden die Angesteckten intelligenter, nähern sich dem Genius – aber rücken auch jeden Tag dem Tod näher.

Während sich andere Gefangene in ihrer Lage der Alchemie oder der Dramaturgie zuwenden, beginnt Sacchetti eine literarische Unmöglichkeit zu realisieren: eine Komödie zu schreiben über Auschwitz. Zwischen Dante und Goethes Faust, zwischen den modernen Philosophen und alten Dichtern entspinnt sich eine aberwitzige, vieldimensionale Geschichte des .

Gibt es aus dem Dilemma der Insassen einen Ausweg oder sind sie alle verdammt, den Weg in den genialen Tod zu finden? Überwindet man den recht wirren Mittelteil des Buches, nimmt die Geschichte in den letzten Zügen noch einmal unglaublich an Fahrt auf und hinterlässt den Leser mit einigen sehr interessanten Fragestellungen: Wann werden die Kerkermeister selbst zu Insassen ihres eigenen Gefängnisses? Wie weit übernehmen die Insassen die Regie über das, was in den Gefängnismauern passiert? Und ist das Erreichen der Genialität nicht ohnehin ein Tod des irdischen Menschen?

Fazit

Über lange Strecken liest sich Camp Concentration tatsächlich wie ein Ausflug in die Welt einer Nervenkrankheit – oder wie ein Drogentrip. Den Mittelteil muss man in Kauf nehmen, das Ende entschädigt dafür.

Über das Buch Camp Concentration

Camp Concentration - Thomas M. Disch - Buchcover
Camp Concentration – – Buchcover

Meine Paperback-Ausgabe von Camp Concentration habe ich letzte Woche in der Buchhandlung Otherland in der Bergmannstraße 25 in Berlin-Kreuzberg in den Gebrauchtbücherkisten gefunden. Die Paperback-Ausgabe vom Lichtenberg-Verlag ist mit für Kenner überschrieben. Das Buch, dass unter der ISBN 3-7852-2014-6 unter der Federführung von erschien wurde von Gertrud Baruch aus dem Amerikanischen übersetzt. Ursprünglich hatte Disch seinen 1968 bei Rupert Hart-Davis in London verlegt. 1971 kam das Buch dann in den Münchner Lichtenberg-Verlag. Die 195 Seiten wurden in Frankreich gedruckt.

Camp Concentration im Internt

Einen ordentlichen, dafür aber ausführlichen Verriss des Buches bietet Anita Dalton bei Oddthingsconsidered.com an. John ONeill erzählt in seiner Rezension die witzig-tragische Anekdote über Disch und Philip K. Dick.Letzterer – immerhin geistiger Vater des Blade Runner – hatte versucht, Disch beim FBI zu verpfeifen, weil er glaubte, dass in Camp Concentration von einer Gruppe Neo-Nazis versteckte Botschaften platziert wurden, um durch eine flächendeckende Syphillis-Infektion in den USA den dritten Weltkrieg auszulösen. Disch rächte sich in einem seiner späten Werke dadurch, dass er den mittlerweile verstorbenen Dick in die Hölle steckte – mit Schreibblockade. Auch Fantastic Fiction widmet sich dem Buch in einer kurzen Rezension. Wer lieber auf deutsch liest, findet hier eine Besprechung zum Buch.

Klappentext

Die USA in nur allzu naher Zukunft: der sinnlose Krieg in Asien zieht sich hin, obwohl härteste Waffen eingesetzt werden. Der Wiederstand der Intellektuellen im eigenen Lager ist gewachsen. Die Regierung greift hart durch und sperrt die linke Intelligenz in Konzentrationslager – nicht nur, um sie „umzuerziehen“, sondern um sie zum Vorteil der Nation auszubeuten. Es werden Versuche mit an ihnen durchgeführt, um ihre geistige Kräfte zu vervielfachen, ungeachtet der Nebeneffekte, die ihre Lebenserwartung auf wenige Monate beschränkt. In den Lagern treffen sich die verschiedensten Leute: Wissenschaftler, Dichter, Künstler, und sie entwickeln einen ausgeklügelten Plan, um eine Revolte gegen das teuflische System durchzuführen, ihre Waffe ist ihr Intellekt, eine schreckliche Waffe, wenn sie richtig eingesetzt wird.

Über den Author Thomas M. Disch

Thomas M. Disch wurde 1940 in Iowa geboren und ging in jungen Jahren nach New York. 1968 outete sich der Schriftsteller, der in den verschiedensten Formaten schrieb, als homosexuell. „I’m gay myself, but I don’t write „gay“ literature“, stellte er aber in einem 2001 mit David Horwich für Strange Horizons geführten Interview klar.

Seine 1980 erschienene Novelle „The Brave Little Toaster“ wurde später von Disney verfilmt.

Im Juli 2008 erschoss sich Thomas M. Disch im Alter von 68 Jahren. Der Schriftsteller erhielt mehrere Nominierungen für den Hugo Award (den er 1999 auch gewann) und den Nebula Award, sowie den Campbell Award 1980 für On Wings Of Song sowie den British SF Association Award 1980 und den Locus Award 1981 für „The Brave Little Toaster“.

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